Vergnügungs-ode.
Wol dem der schon den hohen berg erstiegen
Wann andre sich noch um die wurtzeln schmiegen
Der kan gewiß wol recht vergnüget seyn:
Wenn andre erst um reich und scepter streiten
So siht man ihn in cron und purpur schreiten
Jhn hüllt der sieg in tausend freuden ein.
Wenn jener bitt zu stehen für den füssen
Kan dieser schon die rosen-wangen küssen
Und drückt den mund an ihre liljen-brust.
Wenn jenen noch die hofnung hält gefangen
Kan dieser schon derselben frucht erlangen
Und sitzt allda in voller hertzens-lust.
Was kan uns mehr als dieses wol vergnügen!
Wenn sich der stock will selbst zum pflocke biegen
Und beut uns an das schöne rosen-haupt.
Wenn jener sich bemüht sie abzubrechen
Ist diß sein raub daß er sich pflegt zu stechen
Sonst weiter ist ihm nichtes nicht erlaubt.
Der sitz umzirckt in seiner schönheit armen
Und kan mit lust an ihrer brust erwarmen
Wenn er list auf den süssen liebes-thau.
Da dieser sich mit tausend sorgen kräncket
Und manches mal mit leeren bächen träncket
Fast halb verwirrt auf seiner liebes-au.
Wenn er sich plagt biß an den hellen morgen
Ja halb erstirbt in lauter liebes-sorgen
Und gleichsam wie aus einer nacht erwacht.
Will dieser schon in lauter anmuth lachen
Und einen schertz aus allen sorgen machen
Er ist auf nichts als nur auf lust bedacht.
Wenn man den kahn will von dem hafen trennen
Siht er sein schiff mit vollem segel rennen
Es neigt zu ihm sich der erwünschte port
Das ufer will als göttlich ihn selbst ehren
Da jenen doch ein fels dräut zu versehren
Und zeiget ihm oft die verfälschte pfort.
Glückseelig ist derselbe ja zu nennen
Nach dessen blick der schönsten hertz wil brennen
So tag und nacht in voller wache steht
Wenn er die glut sieht aus dem hertzen stammen
Die ihm erweckt vergnügungs-volle flammen
Wenn durch den schnee der liebe westwind geht.
Da jener noch das feuer soll aufblasen
Da er sich oft verbrennen kan die nasen
Wenn er nicht wohl mit umzugehen weiß.
Gesetzt auch daß es endlich ihm gelinge
Daß funcken er zu einer flamme bringe
So lescht sie selbst der arbeits-volle schweiß.
Die rose kriegt vom stocke nicht den adel
Die zwibel bringt der tulpen keinen tadel
Wann sie gleich schwartz und ohne zierrath ist.
Des goldes werth wird dennoch stets verbleiben
Ob sichs gleich nicht aus Indien kan schreiben
Und wär es auch im kothe nur erkist.
Es mag ja wer da will nach Tyrus lauffen
Um purpur ihm daselbsten einzukauffen
Ich habe schon mein werthes schnecken-blut.
Der Orient mag perlen dir gewähren
Den demant wird kein blosser ort verfehren
Wann nur sein glantz und feuer spielet gut.
Ein ander mag mit schalen sich vergnügen
Ich bin wenn nur der kern ist gut zu friden;
Denn dieser ists der mich erquicken kan.
Diß ists woraus ich mein vergnügen sauge:
Ein schöner leib und ein holdseligs auge
Ist meiner lieb und seelen kegel-plan.