Vergnügungs-ode.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Wol dem der schon den hohen berg erstiegen

Wann andre sich noch um die wurtzeln schmiegen

Der kan gewiß wol recht vergnüget seyn:

Wenn andre erst um reich und scepter streiten

So siht man ihn in cron und purpur schreiten

Jhn hüllt der sieg in tausend freuden ein.

Wenn jener bitt zu stehen für den füssen

Kan dieser schon die rosen-wangen küssen

Und drückt den mund an ihre liljen-brust.

Wenn jenen noch die hofnung hält gefangen

Kan dieser schon derselben frucht erlangen

Und sitzt allda in voller hertzens-lust.

Was kan uns mehr als dieses wol vergnügen!

Wenn sich der stock will selbst zum pflocke biegen

Und beut uns an das schöne rosen-haupt.

Wenn jener sich bemüht sie abzubrechen

Ist diß sein raub daß er sich pflegt zu stechen

Sonst weiter ist ihm nichtes nicht erlaubt.

Der sitz umzirckt in seiner schönheit armen

Und kan mit lust an ihrer brust erwarmen

Wenn er list auf den süssen liebes-thau.

Da dieser sich mit tausend sorgen kräncket

Und manches mal mit leeren bächen träncket

Fast halb verwirrt auf seiner liebes-au.

Wenn er sich plagt biß an den hellen morgen

Ja halb erstirbt in lauter liebes-sorgen

Und gleichsam wie aus einer nacht erwacht.

Will dieser schon in lauter anmuth lachen

Und einen schertz aus allen sorgen machen

Er ist auf nichts als nur auf lust bedacht.

Wenn man den kahn will von dem hafen trennen

Siht er sein schiff mit vollem segel rennen

Es neigt zu ihm sich der erwünschte port

Das ufer will als göttlich ihn selbst ehren

Da jenen doch ein fels dräut zu versehren

Und zeiget ihm oft die verfälschte pfort.

Glückseelig ist derselbe ja zu nennen

Nach dessen blick der schönsten hertz wil brennen

So tag und nacht in voller wache steht

Wenn er die glut sieht aus dem hertzen stammen

Die ihm erweckt vergnügungs-volle flammen

Wenn durch den schnee der liebe westwind geht.

Da jener noch das feuer soll aufblasen

Da er sich oft verbrennen kan die nasen

Wenn er nicht wohl mit umzugehen weiß.

Gesetzt auch daß es endlich ihm gelinge

Daß funcken er zu einer flamme bringe

So lescht sie selbst der arbeits-volle schweiß.

Die rose kriegt vom stocke nicht den adel

Die zwibel bringt der tulpen keinen tadel

Wann sie gleich schwartz und ohne zierrath ist.

Des goldes werth wird dennoch stets verbleiben

Ob sichs gleich nicht aus Indien kan schreiben

Und wär es auch im kothe nur erkist.

Es mag ja wer da will nach Tyrus lauffen

Um purpur ihm daselbsten einzukauffen

Ich habe schon mein werthes schnecken-blut.

Der Orient mag perlen dir gewähren

Den demant wird kein blosser ort verfehren

Wann nur sein glantz und feuer spielet gut.

Ein ander mag mit schalen sich vergnügen

Ich bin wenn nur der kern ist gut zu friden;

Denn dieser ists der mich erquicken kan.

Diß ists woraus ich mein vergnügen sauge:

Ein schöner leib und ein holdseligs auge

Ist meiner lieb und seelen kegel-plan.