Verlangen nach dem Tode.

By Heinrich Mühlpfort

Ich freue mich der letzten Stunde

Die sonst dem Menschen Schmertzen macht.

Geht Erd und Himmel selbst zu Grunde

Was bin denn ich ein Wurm bedacht

Mein läimen Hauß die irdnen Wände

Zu schätzen ewig und ohn Ende.

Die Hand so mich zu erst erbauet

Die reißt mich ihr Geschöpff auch ein.

Wem vor des Todes Pfeilen grauet

Der kan kein Uberwinder seyn.

Laß Fleisch und Blut das Leben lieben

Die Seele muß sich anders üben.

Ich seh daß jeden Tag was stirbet;

Ja daß der Leib ein Siechhauß heist;

Wenn da bald Hand bald Fuß verdirbet

Und das veralte Kleid zerschleißt:

So sucht der Geist sich frey zu machen

Und wird der mürben Fessel lachen.

Das Eisen rost’t die Steine brechen

Porphyr und Marmor sind nicht vest.

Wie kan der schnöde Mensch doch sprechen

Daß sich was Ewigs spüren läst

In des verdorrten Leibes Beinen

Den noch belebten Leichen-Steinen?

Drumb komm O Tod denn meine Seele

Er schrickt ob deiner Ankunfft nicht.

Zeuch sie aus dieses Cörpers Höle

Zu jenem unumbschriebnen Licht.

Komm süsser Gast mein heiß Verlangen

Ist schon bestellt dich zu empfangen.

Ich bilde mir nicht dürre Knochen

Und wie man dich sonst mahlet ein.

Wenn meine Augen sind gebrochen

So wirds ein sanffter Schlaf nur seyn.

Ein Thor der mag dich heßlich nennen

Ich aber muß dich schön bekennen.

Das Grab das auch die Alten fliehen

Nenn ich des Himmels Vorgemach.

Der Kittel den man an-muß ziehen

Scheint heller als der Sternen Dach.

Der Schlaf ist kurtz die Nacht ist enge

Zu jenes grossen Tages Länge.