Verliebte Gedichte.
Adonis grab ist hier; mehr sagt die liebe nicht
Und Venus seel entschläft bey diesem leichen-steine.
Ach hochgeliebter leib! ach werthste todten-beine!
Ach himmlischer Adon! mein mattes hertze bricht
In lieb und thränen aus: die thränen sollen zeugen
Daß meine liebe wird zu keinen zeiten schweigen.
Wo ist Adonis sarg? wo ist Adonis grab?
Daß Venus nicht zugleich sich auf die baare leget
Wie wenn ein rauher wind die blumen niederschläget
Schlägt tulp und nelck entzwey und bricht die blumen ab.
So war mein lebens-geist von hertz und seel entrißen
Als meinen lieben schatz ein wildes schwein gebißen.
Ach ewiger verlust! unwiederruflich fall!
Ich habe deine schoos dem himmel vorgezogen
Holdseeliger Adon! nun seel und geist verflogen
So stirbt die Venus auch. Ich hörte fast den schall
Und wie du mich zuletzt mein tausend lieb gesegnet
Als dir diß ungeheur im finstern wald begegnet.
Ich ging und suchte drauf mein leben in dem häyn
Und fand da meinen tod Adonis sternen glieder
Sind durch des wildes biß besprützet hin und wieder
Vom schaum des rothen bluts. Ich bracht ihm himmel-wein
Und edlen perlen-tranck hertzstärckende muscaten
In hoffnung meinem sohn und besten schatz zu rathen
Vergebens ob ich schon den weichen mund geküst
Und tausend mahl geschryn: erwache meine seele!
So regte sich kein glied ja was ich nicht verheele
Ich habe selbst zuletzt krafft seel und geist vermist.
Ich werd auch nimmer schön mein’ anmuth ist gestorben
Und mit Adonis pracht der Venus glantz verdorben.
Bedenck ich jene lust und gegenwärtig leid
Ja wenn der himmel gleich in lauter rosen lebte
Wenn höchst’ ergötzlichkeit um meine scheitel schwebte
So blieb ich unbewegt biß daß die süsse zeit
Mich gab Adonis gunst den ich verschwendrisch küste
Sein alabaster arm umschränckte meine brüste;
So hat niemand geliebt und niemand weiß es so
Die seelen nur allein beschloßen was geschehen
Der monde hat uns oft gantz holdreich zugesehen
Er ward an meiner brust und ich an seiner froh;
Sein mund hieß mein rubin ich schenckt ihm himmels-flüsse
Und selbte macht ich noch mit liebes-zucker süsse.
Nun seh ich nichts als noth und dein verblichner leib
Mein eintzig liebes kind entseelt mein kranckes hertze:
Doch daß ein denckmal sey wie hoch ich dich beschmertze
So bau ich hier dein grab das keine zeit zerreib’
Und in vergessenheit die lange nächte stürtze
Mit thränen salb ich dich statt weit-geholter würtze.
Hier ist Adonis grab und auch mein heiligthum.
Ein mensch mag bahr und grust mit göldnen ampeln zieren
Ich göttin will um dich die stern als fackeln führen.
Und wie die leichen sonst schmückt eine schöne blum
So soll das schöne blut in auämonen sincken
Und bey dem rosen-lentz in purpur-kleidern blincken.
Was mehr? den leichgesang das bittre todten-lied
Stimmt Venus ewig an der himmel hilfft mir klagen
Die lüfte seuftzen mit der westenwind soll sagen
Wie tief ich traurig sey: Ich bin nicht groß bemüht
Um das beliebte grab viel seulen aufzuführen
Die liebe soll es mehr mit ihren wundern zieren.
Daß Artemisja dort des ehmanns asche tranck
Ist viel und liebens werth; Ich opffre meine seele
Die zwar nicht sichtbar ist der lieben grabes-höle;
Und saget nun iemand daß Venus bleich und kranck
Der wisse da Adon mein trost und lieb erblichen
Daß ich zugleich mit ihm bin aus der welt gewichen.
Die überschrifft wird sonst dem marmol einverleibt
Ich will sie ins gemüth der späten nachwelt graben
Dran soll der buler volck den schönsten spiegel haben
Wo nicht der große schmertz die lieb ins elend treibt:
Hier ruht der schönheit schatz und Venus holde zierden
Tritt nicht zu nah hinzu! der stein macht die begierden.