Verliebte rede der geilen Phryne an den Xenocrates: aus des Loredano Scherzi Gen...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Und du, Xenocrates! wilst nicht verliebet seyn?

Du bist als wie ein mensch, du bist als wie ein stein.

Das erste bist du nicht; wer fleisch und beine führt,

Der wird auch durch ein wort, das Phryne redt, gerührt.

Du suchst in der natur, die doch zur klugheit weist,

Und weißt doch nicht das thun, was gantz natürlich heist;

Also bist du kein mensch, doch bist du auch kein stein,

Weil in den steinen doch noch feuer-funcken seyn.

Von wilden thieren ist dein erster ursprung nicht,

Weil ja kein wildes thier der liebe widerspricht;

Ein bär, ein elephant, ein tieger ist verliebt,

Wenn Venus den befehl zur süssen wollust giebt.

Der himmel, der uns liebt, der hat dich nicht gemacht,

Die welt hat dich auch nicht aus ihrem schos gebracht.

Du must ein

Und das zu seiner zeit auch von sich selbst vergeht.

Gilt meine schönheit nicht, der abgott dieser welt,

Vor der die hoffart selbst in demuth niederfällt?

Die fürsten waren mir vor diesem unterthan;

Und ein

Mein nahme konte sonst die hertzen an sich ziehn’,

Hier bin ich noch zu schwach, da ich zugegen bin.

Mein eigen lob stinckt nicht, weil es die probe hält,

Denn, daß ich schöne sey, das glaubt die gantze welt.

Ein held, dem weder muth noch glück im kriege fehlt,

Der wird nicht ausgelacht, wenn er sein lob erzehlt;

Ja wer mich schöne nennt, dem stimmt das echo bey,

Die felsen sagen selbst, daß Phryne schöne sey.

Wiewohl was hilfft mich das, was hilfft mich alle pracht,

Wenn es Xenocrates gleich als wie koth veracht?

Man nennt die schönheit zwar den abgott dieser zeit,

Die herrscherin der welt, den strahl der göttlichkeit,

Der augen sonnen-licht, des mundes honigseim,

Des alters netz und strick, der jugend vogel-leim;

O falsche heucheley! ach, schweigt, ihr lügner, schweigt,

Weil euch Xenocrates der falschheit überzeugt.

Doch nein, es bleibt darbey: die schönheit triumphirt,

Offt wird durch einen blick ein steinern hertz gerührt.

Der grosse Jupiter verließ sein himmelreich,

Und ward aus liebes-brunst den wilden thieren gleich.

Ja Pluto selber kam aus seiner finsterniß,

Als sich Proserpina von ihm entführen ließ.

Die kette

Wenn er das wilde volck mit seiner rede fieng,

Die stellt im bilde vor, was eine schönheit kan,

Denn eben so sind ihr die barbarn unterthan;

Wie aber daß mich hier das unthier nicht begehrt?

Xenocrates hat recht, denn er ist mein nicht werth.

Er sieht die niedrigkeit, und meine hoheit an,

Die sein gehirne nicht zusammen reimen kan:

Hier ist galauterie, und dort pedauterey,

Er sieht, daß er ein narr, und ich was kluges sey.

Es wird dadurch das thier der thorheit überführt,

Das in der liebes-lust das leben selbst verliehrt.

Es stirbt, wofern es lebt, und lebet doch mit lust:

Du aber lebest nicht, da du nicht sterben must.

Die eitle phantasey giebt dir was falsches ein,

Was sich zusammen schickt, das muß zusammen seyn.

Du sprichst zu aller welt: es sey kein

Und gleich wohl hab ich eins zu meinem eigenthum.

O weh der gantzen welt! sie geht warhafftig ein,

Wofern ein jeder mensch will deiner meynung seyn.

Was diese welt erhält, das nennst du missethat;

Also verdammst du das, was dich gezeuget hat.

Ach himmel! hätte doch dein vater so gedacht,

So hätte die natur dich nicht ans licht gebracht.

So wär’ auch in der welt ein solches

Das auf den untergang der welt sein absehn richt.

Das leben, das du hast, ist nur ein capital,

Der himmel, der es lehnt, verlangt ein gratial:

Die seelen werden nur auf zinsen augelegt,

Je mehr man kinder hat, je mehr man zinse trägt.

Ist das philosophirt, wenn man das sünde nennt,

Was GOtt und die natur vor schuldigkeit erkennt?

Verfluchte welt-weißheit! wer hat doch diß erdacht,

Als würde man durch sie den göttern gleich geacht?

Wenn esel götter sind, so räum ich solches ein;

Wiewohl auch dieses nicht, weil sie noch klüger seyn.

Doch itzo merck ich erst, wohin das absehn geht,

Daß mein Xenocrates so hefftig widersteht.

Er flieht vor einer lust, die er doch haben kan,

Und schreibet sich davor den ruhm der tugend an.

Doch aber weit gefehlt; wer nicht im kriege steht,

Wer seinen feinden nicht frisch unter augen geht,

Wer nicht die waffen braucht, wer sich nicht was erkühnt,

Der hat gar schlechtes lob der tapferkeit verdient.

Jm sterben steckt der ruhm, nicht aber in der flucht,

Man muß zu felde gehn, wofern man ehre sucht.

Versuche nur einmahl, ich bin ja nicht vergifft;

Hier ist der süsse mund, der ambra übertrifft,

Hier ist die weiche hand, die wilde thiere zähmt,

Hier ist die weisse brust, so marmorstein beschämt.

Du nimmst dir schon den ruhm, und hast noch nicht gesiegt;

Ach liessre erst die schlacht, wer weiß, wer unten liegt?

Verachte keinen feind, probier erst pfeil und spieß,

Wenn er zu boden liegt, so ist der sieg gewiß.

Hast du mich nicht erkannt, so laß mich unveracht,

Die probe geht voran, drauf wird der schluß gemacht.

Xenocrates! du klotz, du fels, du stahl, du stein,

Soll alle meine kunst an dir verlohren seyn?

Das eiß zerschmeltzet ja, der kalte schnee zerfliest,

Wofern der sonnen-glantz so nah zugegen ist;

Verachtest du den mund, der milch und honig geust,

Xenocrates! den mund, daraus man wollust speist?

Verachtest du den kuß, der aus der seel entsteht,

Xenocrates! den kuß, der aus der seele geht?

Sieh doch das angesicht, das alabaster gleicht,

Sieh doch das feuer an, das aus den augen leucht,

Brich doch die rosen ab, die auf den wangen stehn,

Laß doch den schnee der brust in deiner hand zergehn,

Gebrauche dich der lust in meinem schos zu ruhn,

Und gieb mir wiederum etwas bey dir zu thun.

Doch, Phryne! schweig einmahl, er ist und bleibt ein thor,

Drum wirff die perlen nicht den wilden säuen vor.

Die sanffte lager-stadt und deine süsse schos

Ist nur vor könige, nicht vor