Verliebte Thorheiten.

By Johann Georg Gressel

Galante Lydia du angenehmes Kind

Vor deiner Schönheits-Pracht wie nichts zu achten sind

Der weissen Liljen Zier wie auch der Rosen Prangen

Das Helffen bein erschwärtzt vor deinen glatten Wangen

Ach! zeige schönstes Kind dein gold-entflammtes Haar

Entblösse deine Brust das Schwaanen gleiche Paar

So aus der Marmor Klufft der weissen Schultern prahlet

Erhebe doch den Glantz damit dein Auge strahlet

Mit schwartzer Demmerung der Augen braun verhült

Mein Mädgen schencke mir die Rose so erfült

Dein schönes Wangen-Feld mit Purpur angenetzet

Ach! reiche mir den Mund der mit Rubin besetzet

Die Lippen wo Corall sich mit der Anmuth paart

Und labe deinen Knecht nach Turtel-Tauben Art

Mit süssem

Du nimmst mir Thörigten die besten Nahrungs-Flüsse

Dein Kuß entseelt mein Hertz und stöhret meine Lust

Warum entziehest du das Leben meiner Brust?

Verhülle deine Brust bedeck die

Die als ein Marmor-Meer mit sanfften Oden wallen.

Die angenehme Schooß ich weis nicht was anbeut

Dein Liebes Wesen giebt stets neue Lieblichkeit.

Verstecke deine Brust die mich mit ihren Pfeilen

So weisser als der Schnee verräthrisch wil ereilen

Die stets ihr blanckes Schwerd zu meinem Schaden wetzt

Und mein schon schwaches Hertz noch mehr in Ohnmacht setzt.

Allein du siehst aus Wuth nicht meiner Seelen-Plagen

Und lässest mich halb todt in meiner Noht verzagen.