Vermischte Arien.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Der mensch tritt nicht vor sich auff dieses rund der welt

Wer ist es dem sein mund alleine wohlgefällt?

Wer speiset sich mit seinen küssen?

Kein auge schaut sich selber an

Und aus gesellschafft muß erspriessen

Was uns die noth benimmt und freude geben kan.

Es hatte die natur den ersten frauen mund

So in dem paradies vor GOtt und Adam stund

Mit liebes-ziffern selbst beschrieben

Man liebte vor dem apffel-biß.

Es scheinet daß den trieb zu lieben

Gott mit dem athem bald in unsre nasen bließ.

Der süsse wunder-zeug den man die regung heist

Und ohne dem die welt aus ihren angeln reist

Und zeitlich würde wüste stehen

Zeigt fleisch und blut die lebens-spur

Und wer ihr trachtet zu entgehen

Beschimpfft die menschlichkeit und stöhret die natur.

Wer in der einsamkeit lust und behältniß sucht

Sich zu verlieren wünscht als blüte in der frucht

Und lebt als wär er neu gebohren

Der macht aus blute schnee und eiß

Und hat ihm einen weg erkohren

Den man erdulten muß doch nicht zu rühmen weiß.

Den krönet die natur die weißlich lebt und liebt

Und diesem was ihm gleicht bedachtsam sich ergiebt.

Wir sind nicht engel auch nicht steine

Von fleisch und regung nicht befreyt

Wir leben nicht vor uns alleine

Und unser ehlich seyn schmeckt nach der ewigkeit.