Vernünftiges Vergnügen durch die Sinnen.

By Barthold Heinrich Brockes

Es pranget, ihrem HErrn zum Ruhme,

Ein jedes Kraut, ein’ jede Bluhme,

Die Vögel lassen, GOtt zu Ehren,

In klingenden und hellen Chören,

Bewundrungs-wehrte Lieder hören:

Weil sie es aber selbst nicht wissen;

So wird man ja gestehen müssen,

Nur Geistern sey die Kraft gegeben,

Daß sie, in ihnen, eine Macht,

Und eine weise Lieb’ erheben

Des Wesens, das ihr Seyn, ihr Leben,

Und ihre Pracht hervorgebracht.

Du hast, für der Geschöpfe Prangen,

Von GOtt Empfindlichkeit empfangen.

Durch die fünf Sinnen, als fünf Thüren,

Kann deine Seel’ ihr’ Anmuht rühren.

Er giebt uns Sinnen und Verstand,

Durch beydes wird Sein Werk erkannt.

Die Pflanzen haben gleichsam keines,

Die Thiere von den beyden eines,

Wir haben beydes. Doch vereinen wir beydes im Gebrau-

che nicht;

So thun wir gegen unsre Pflicht.