Versuch, die Anstößigkeit vielerley Religionen zu heben.
Ueberall ersichtliches, und dennoch verborgnes, We-
sen,
Wie verwirrt sich der Verstand, wann wir mit Erstau-
nen lesen,
Daß so viele tausend Arten falscher Götzendienst’ auf Er-
den,
Jhres Unsinns unerachtet, doch von dir geduldet werden!
Da es aber doch geschicht;
Scheinet es der Menschen Pflicht,
Die Vernunft zu Rath zu ziehen,
Und mit Ernst uns zu bemühen,
Hievon einen Grund zu finden, der uns zeig’ und über-
führe:
Wie auch bey so vielen Secten doch die Gottheit nichts
verliere.
Denn uns würdige Begriffe von der Vollenkommenheit
Gottes überall zu machen, ist der Menschen Schuldig-
keit.
Daß ein falscher Gottesdienst, auch so gar Abgötterey,
Bloß nur ein’ Unwissenheit- keine Bosheitsünde sey,
Ist mit Recht wohl nicht zu leugnen. Wer der Gott-
heit Größ' erkennet,
Wie sie uns, in ihren Werken, ein Erkenntniß von sich
gönnet;
Daß, wie diese fast unendlich, Gott noch weit unend-
licher
An Verstand, an Macht und Liebe, aller Sonn- und
Welten Herr,