Vertrauen

By Luise Hensel

Written 1837-01-01 - 1837-01-01

Herr! laß mich tief bedenken

Dein Lieben, Deinen Tod,

Die Sinne mein versenken

In Deine Wunden roth!

Mag bleichen und verschwinden

Des Lebens Flitterzier;

Sie soll mein Herz nicht binden,

Du, Jesus! stehst bei mir.

Giebst Du mir Ehr' und Freuden,

So halte mich Dir treu;

Giebst Du mir Schmach und Leiden,

So steh' mir siegend bei.

Herr! laß mich Dich nur finden,

Zieh ganz mich hin zu Dir;

Willst Du Dich mir verbinden,

Was gilt die Erde mir!

Laß mich nur treu verbleiben,

Ich weiß, Herr! Du bist mein.

Nichts soll von Dir mich treiben,

Dein will ich ewig sein. –

O wann – wann kommt die Stunde,

Da Dich mein Auge sieht,

Da vom erblaßten Munde

Der letzte Hauch entflieht? –

Ich kenne Deine Treue:

Einst werd' ich Dir vereint,

Wenn ich in Lieb' und Reue

Hier meine Schuld beweint.

Ich kenne Dein Erbarmen:

Es wird die Zeit erfüllt,

Da sich in Deinen Armen

Mein banges Sehnen stillt.

Und quält mich rastlos Sehnen,

Drückt schwer des Lebens Joch,

So fragen stille Thränen:

O Herr! wie lange noch?