Verzweifflungs-gedichte
By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau
Written 1647-01-01 - 1647-01-01
Die augen schloß ich traurig zu
Die hände deckten meine stirne
Ich war entblöst von lust und ruh
Der kummer füllte das gehirne
Bald wacht ich auff bald schlieff ich ein
Bald wolt ich tod und asche seyn
Bald wünscht ich weit von hier zu leben;
Und daß ja nichts sey unbekandt
So hat die thorheit meiner hand
Papier und feder übergeben.
Auff auff mein sinn und du mein fuß
Ich kan nicht länger hier verziehen
Mein warten bringet mir verdruß
Ich wünsche von der welt zu fliehen.
Ich spey auff scepter und auff gold
Man sey mir feind man sey mir hold
Es soll mich beydes gleich erquicken;
Die liebe so uns närrisch macht
Und uns bezwingt mit dicker nacht
Soll mir nicht den compaß verrücken.
Ich lache wenn ich überhin
Mein tummes leben überlege
Und diß worauff ich kommen bin
In den gedancken recht erwege
Mir zittern beydes marck und bein
Die stirne wird wie eyß und stein
Es will geblüt und geist erstarren;
Genug geirrt genug geklagt
Den irrthum hat die zeit verjagt
Ich will nicht länger hier verharren.
Ich eil in eine weisse grufft
Die keine sonne hat berühret
Und da die eingesperrte lufft
Uns zeitlich zu dem tode führet
Der schlangen gifft und drachen rauch
Der fülle nase brust und bauch
Und endlich meinen geist vertreibe
Auff daß die ausgedorrte brust
Als eine recht bestimmte kost
Für junger drachen zähne bleibe.
Und werd ich ja nicht hingericht
Durch schlangengifft geschickt zu tödten
Will keine drachen-mutter nicht
Mir freundlich seyn in meinen nöthen
So lauff ich in das heisse land
In welchem der entbrandte sand
Nichts als die löwen will ernähren
Die werden endlich meine noth
(Denn nichts begehr ich als den todt)
Und auch zugleich mein fleisch verzehren.
Und will mir weder gifft noch zahn
Die seele von dem leibe scheiden
Ist nichts so mich verzehren kan
So mag ich doch nicht ferner leiden:
Es soll mir diese schwache hand
Seyn wider meine brust gewand
Sie soll den schnöden leib durchstechen;
Hat mich das faule blut geplagt
Und in viel grosse noth gejagt
So bin ich fertig mich zu rächen.
Die haare gehn den bergen zu
Wenn ich erwege dieses leben
Bey welchem fröligkeit und ruh
Verschworen hat mir platz zu geben.
Ich bin ein todter der da geht
Ein aas so auff den füssen steht
Und ein verfaulter ohne bahre
Ein brand von böser brunst gemacht
Ein scheusal dessen jeder lacht
Ein enger kram verachter wahre.
Und daß die feder nicht zu viel
Von meinem bösen leben sage
So habe sie hiermit ihr ziel
Ich will nicht daß sie ferner klage
Mit diesem geht mein wallen an
Wohl jedem der da bleiben kan
Mein wohlseyn such ich im verderben.
Ihr guten freunde gute nacht
Der wunsch sey euch von mir vermacht
Mein leben mag mein feind ererben.