Vff ein paar Händschuch
By Martin Opitz
Glückseelig weret jhr Händschuch wann jhr solt können
Ewr groß Glückseligkeit vernünfftiglich erkennen
Es sollen herbergen in euch zwey Händelein
Die weisser als der Schnee purer dann Helffenbein
Deren subtiligkeit die schönste Perlen weichen.
Was soll ich aber sie vil mit dem Schnee vergleichen
Mit Perlen oder ein einigem Helffenbein?
In jhnen alles ist was irgendt schön magsein.
Seht hier die Nägelein so zierlich rund beschaffen
Der zarten Jungfrawschafft holdselig wehr vnd Waffen
Seht hier die hurtige gebogne Gleichelein
Die
Seht hier die Fingerlein die er vor Pfeil thut preisen
Seiner Artillerey ob sie sich schon erweisen
Vngleich in jhrer leng seind sie doch gleich in dem
Daß sie vor anderen allein sein angenehm.
Beseht die flache Handt innwendig der jhr finden
Werd manch verborgne Kunst nit jedem zuergründen
Ihr werdet finden viel geheimnuß der Natur
Artig gezirckelt auß gleich als mit einer Schnur.
Da stehet all mein Glück vnd vnglück vffgeschrieben
Da steht wie hoch ich sie wie hoch sie mich muß lieben
So manche Lini sich allda entwerffen thut
So manche Tugent helt in sich jhr Keuscher muth.
Glückseelig seit jhr zwar Händschuch denen vergönnet
Daß jhr der Liebsten Händt so offte küssen könnet
Stoltzirt drumb aber nicht die Ehr so jhr empfangt
Von jhr allein vnd nicht von euch an euch gelangt.
Wie stattlich jhr auch seit wan sie euch an jhr treget
Also gering jhr seit so bald sie euch ableget
Doch dieweil jhr durch mich seit gebracht zu diesem Glück
Last mich genießen auch bißweil ein guten blick.