ViII. PSALMUS CXX.

By Andreas Gryphius

So offt der grimme schmertz

So offt der herbe schertz

So offt sich auff mein hertz

Vnd Seel der bleiche Todt verschworen:

Wenn aller trost verschwand:

Hab ich Hertz Aug vnd hand

Zu GOtt der helffer heist gewendet?

Die seufftzer die ich jhm gesendet

Die stiegen jhm zu beiden ohren.

Mein seufftzen meine bitt’

Erweichte sein gemütt

Daß er der Brunn der gütt

Vom Himmel auff mein elend sahe.

Es sahe meinen schmertz

Sein ewigtrewes hertz

Er zog mich aus der wehmüt stricken.

Ja wenn ich wolt' in angst ersticken:

War er mit seinem beystandt nahe.

HERR der du mich erhört

Wenn dich mein Geist geehrt.

Wie das mich jtzt versehrt

Der Natterzungen tolles zischen?

Soll mich denn jede stundt

Der falschen läster mundt

Das lügen-reiche maul verletzen?

Mein GOtt! wenn wirstu mich ergetzen

Vnd diese threnen mir abwischen?

Mag was mit dieser pein

Wol zuvergleichen seyn?

Sie rennt durch marck vnd bein

Als wenn ein Pfeil vom bogen fehret.

Wie wenn die lichte macht

Der donnerflamm’ erkracht

Vnd die Wacholder streu

Das eilendt ast vnd Laub verschwindet

Vnd strump vnd wurtzel gantz verzehret.

A

In das du mich verbannt

Da als dein grim’ entbrandt

Mein Heilandt länger no

O führe mich von hier:

HeRR soll ich für vnd für

Bey Mesech vnd bey Kedar sitzen!

Was kan dir

Ach

In frembder dinstbarkeit

In wehmut ach vnd leidt

Biß auff den augenblick verschwendet

Ich sehne mich nach ruh

Sie richten hader zu

Kom führe

Nur kan zu deinem dinst hingeben

Biß meine Bilgramschafft vollendet.