[Vnd dieser Mann entgeht mir auch]

By Simon Dach

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Vnd dieser Mann entgeht mir auch,

Auch der Freund ist verlohren,

Mit dem ich jung nach Liebes-Brauch

Mich Brüderlich verschworen:

Wie legt, jhr Leute, hin und her

So unverhofft euch nieder?

Ihr wißt, wer sich dem Todten-Meer

Vertrawet kömmt nicht wieder.

Vielleicht ist euch viel besser dort

Als auff der schnöden Erden,

Diß spricht die Schrifft, ihr wares Wort

Kan nicht geleugnet werden.

Wol euch, ihr wißt woran ihr seyd,

Seyd selig durchgedrungen,

Schwebt in der güldnen Ewigkeit

Vnd singt mit Engel-Zungen.

Ihr laßt euch heilig das Gebein

Die stillen Gräber decken,

Fiel' auch der Himmel zehnmal ein

Es wird euch nicht erschrecken,

Wir aber müssen nach wie vor

An dieser Erden kleben,

Vnd wolten gern das Hertz empor

Dahin wo ihr seyd heben.

Die Last des Leibes ist zu schwer

Vnd hält den Geist gefangen

Sie lähmt die Flügel ihm, daß er

Bleibt an der Erden hangen;

Wie am Gevögel wird gespürt,

Das klebt mit dem Gefieder,

Wenn es der Stangen Leim berührt,

Vnd flattert hin und wieder.

Der gibt sich gantz dem Ehrgeitz hin,

Der läßt den Zorn sich blenden,

Das Geld der, der den Eigen-Sinn,

Der andre Lust sich schänden.

Wenn bricht sie an die schöne Zeit

Die von den eiteln Sachen

Vnd dieser strengen Dienstbarkeit

Vns ewig frey sol machen?

Wo, Bruder, du anjetzund bist,

Da kein Betrug der Erden,

Vnd keiner schnöden Sünden List

Kan deiner mächtig werden?

Du schwebest in der stoltzen Rhu

Vnd siehst herab von oben,

Wie Glück und Thorheit immerzu

Erbärmlich mit uns toben,

Was uns bekriegt vor Angst und Weh,

Als die am Ufer stehen,

Vnd sehn, wie auff ergrimmter See

Ein Schiff muß untergehen.

Du hieltst dich in der Jugend hart

Warst embsig aller massen,

Hast keiner Arbeit je gespart,

Die Rechte wol zu fassen,

Darnach hast du getrew geführt

Bedruckter Leute Sachen,

Man hat dich, hör' ich, nicht gespürt

Gerad was krum ist machen.

Für dieses kriegst du jetzt den Lohn

Im Reiche der Gerechten,

Da trägest du der Vnschuld Krohn,

Die Trew und Glimpff dir flechten.

Hiernieden wird die kurtze Zeit

Gott auch der Deinen pflegen,

Vnd sich auff dieses grosse Leid

Mit Trost bey ihnen regen.

Wol dem der hie es so vollbringt!

Wir wallen über hauffen,

Wer selig in den Himmel dringt

Der hat recht wol gelauffen.