Von dem menschlichen elende.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Es schließt der arme mensch, wenn er den lebens-lauff

In dieser welt beginnt, vielmehr zu bittrem weinen,

Als um das licht zu sehn, die müden augen auf:

Er fühlt die sclaverey alsbald an arm und beinen:

Die windeln fesseln ihn: Und wenn ihn dann die brust

Der mutter nicht mehr säugt, so wird ihm seine lust

Mit ruthen eingetränckt, durch strenge zucht vergället.

Hat ihn die mannbarkeit auf freyen fuß gestellet,

So machen lieb und glück aus ihm ein gauckelspiel:

Er muß sein brod im schweiß und thränen essen:

Und offt erlangt er kaum so viel,

Wenn kranckheit, feind und noth ihn auf das schärffste pressen.

Bricht dann zuletzt das alter ein,

So stützet er mit einem morschen stabe

Den abgezehrten leib, und hincket so zu seinem grabe:

Drauf deckt den rest ein schmaler stein.

Was ist nun, armer mensch! dein trost und dein vergnügen?

Nichts, als nur diß allein,

Daß wieg und grab nah bey einander liegen.