Von dem Zustande der deutschen Poesie bey Ankunft Martin Opitzens.
Morgens eh s'Tages Schein anbricht
Mit Purpurfarbem hellem Licht,
So gläntzt herfür deins Mundes Röth,
Wie vor der Sonn die Morgenröth
Mit rosinfarben Wangen
Hübsch, lustig, klar, aufgangen.
Ein schön karfuncklet hübsch Gestirn
Dein’ Aeuglein sind an deiner Stirn;
Dein güldnes Haupt ist wohl formirt,
Wie s’Himmels Runde schön geziert.
Von deiner Aeuglein glitzen
Feurflammen rausher spritzen.
Recht wie die Straln und schnelle Pfeil
Dieselben schiessen her in Eil,
Han mir versehrt mein junges Hertz,
Doch lindert sich der brünstig Schmertz’,
Wann ich dein Antlitz schaue,
Holdseligste Jungfraue.
Grünest und blühest aller Ding,
Gleichwie ein Lorbaum im Frühling,
Wie eine Tanne wächßt gerad
Dein werther Leib in gleicher Wad:
Dein’ Arme beyd sind eben
Wie zwo neuer Weinreben.
Ach daß, was anrührn deine Händ,
In rothe Röslein sey gewendt,
Und weisse Lilglein wachsen fein,
Wo deine Füß hingangen seyn:
Von deins Munds Athem süsse
Braun Violblüt entsprisse.
Ruhm, Preiß, Ehr und Lob ich dir gib,
Für andern alln, hertzliebstes Lieb,
Dein Tugend leucht an allem End,
Wie der Vollmond am Firmament;
Bist aller Jungfraun Zierde,
Meins Hertzens innre Girde.
Edler ich schätz dein Gunst und Hold,
Dann Silber und das beste Gold;
Dein Freundlichkeit und schön Geberd
Ist mehr dann alle Perlen werth:
Es gilt dein Zucht viel reine
Mehr dann all edle Steine.
Treuhertzig seyn ohn arge List,
Der rechten Lieb Wahrzeichen ist:
Wann gleicher Maß nicht liebest mich,
Laß zu, daß ich nur liebe dich.
Mein Hertz geb dir zu eigen,
Dein Hertz zu mir thu neigen.
All Augenblick dein eindenck bin
In meim Gemüth und in meim Sinn.
Des Tags bist mir ein helle Sonn,
Des Nachts ein klarscheinender Mon:
Thust (liebstes M.) mir geben
Von deinem Glantz mein Leben.