Von den Bewohnern des Wassers.
Nunmehr kann ich, von den Bürgern der Fluht, den
Fischen, hier zu sprechen,
Zu unsers Schöpfers Ruhm und Preis und Dank, mich
gleichfalls nicht entbrechen.
O welch ein Wunder! daß des Meeres unfruchtbar-bitter-
salzes Naß
Lebendige Geschöpfe zeugt! Daß eine Fluht, die unerträglich,
Und streng und traurig von Geschmack, was, das der Zunge
so behäglich,
So süß und lieblich schmecket, nährt! Wie unbegreiflich ist
doch das!
Wer dieß nicht wüßte, würde sprechen: Ein unfruchtbares
Element
Wird etwan wenig Kinder hegen. O nein! auch hier ist
abermahl
Der Schluß nicht richtig, und der Wahn von der Erfahrung
weit getrennt.
Es ist fast, wie der Sand am Meer, die Zahl der Fische sonder
Zahl.
Mein geistig Auge siehet hier, mit recht bewunderndem Ver-
gnügen,
In dieser weiten Meeres-Tiefe, in dieser Wasser-vollen Gruft,
Ein nicht zu zählend Heer von Fischen, recht wie die Vögel
in der Luft,
In einer stetigen Bewegung, so sehr nicht schwimmen fast,
als fliegen.
Wer kann das Wunder doch begreifen! Was alle Thiere
sonst ersticket,
In Fäulung und in Gährung bringt, und, was lebendig ist,
erdrücket,
Das Wasser hat gewisse Thiere, die es erhält, versorgt,
ernährt.
Ist dieses Wunder nicht allein Betrachtung und Bewund-
rung wehrt?
Nicht minder, daß dergleichen Thiere, ohn’ Hand und Fuß,
ohn' Arm' und Bein',
Auch sonder Flügel, Stachel, Klauen, deswegen doch im
Stande seyn,
Sich zu erhalten, fortzubringen, bald schnell, bald langsam
sich zu nähren,
Zu rauben, auf so manche Weise sich zu beschützen, sich zu
wehren;
Daß ihr Geblüt, in steter Kälte, sich nicht verdicket, nicht
gerinnt,
Daß sie von Federn, Haar und Pelzwerk beraubet und ent-
blösset sind,
Und doch, im kältern Element, als wie die Luft ist, sind und
leben.
Was kann doch immer mehr den Fischen, an deren statt,
Beschirmung geben?
Worinn kann ihr Gewand und Kleid, und ihr Zusammen-
halt bestehn?
Dieß ist gewiß Aufmerkung würdig, und wehrt, daß wirs
mit Fleiß besehn.
Von aussen ist, an jedem Fisch, wenn wir desselben Bau
betrachten,
Und auf sein äussers glattes Wesen, mit wahren Menschen-
Augen, achten,
Ein schleimigt Wesen, wie ein Leim, dann wird die harte
Schuppen Haut,
Ein wunderbar gefügt Gewebe, das schützt, zugleich auch
ziert, geschaut.
Bis endlich noch ein speckigt Wesen, ein öhligt Fleisch,
das Fleisch bedeckt,
Und sich, zu nicht geringem Nutzen, von vornen bis nach
hinten streckt.
Man kann, wie sich der Schuppen Menge formiert und
wächset, nicht ergründen,
Und ja so wenig den Behälter und Ursprung dieses Specks
erfinden.
Indessen dient der Schuppen Härte, und auch des Oehles
Fettigkeit,
So allem Wasser widersteht, dem Fisch nicht nur zur
Sicherheit;
Es wird, durch beydes, ihm sein Leben, nicht minder seine
Wärm' im Kalten,
Auf eine sonderbare Weise, die wohl Bewundrung wehrt,
erhalten.
Wie könnte man der Fische Schaar, den Wasser-Bürgern,
doch ein Kleid
Von einer nützlichern Beschaffenheit,
Von mehrer Leichtigkeit, und doch von größrer Undurch-
dringlichkeit,
Mit allem unsern Witz erdenken,
Mit aller unsrer Macht ihm schenken?
So, daß, wohin wir unser Aug, in allen Elementen, lenken,
Wir überall solch eine Tiefe von Weisheit, die nicht zu
ergründen,
Die an Erfindungen so reich, mit Ehrfurcht und Erstaunen,
finden.
Die alles, was zu ihrer Absicht gehöret, kennet, nie sich
irrt,
Und der von dem, was sie, als Werkzeug’, gebraucht, nie
widerstanden wird.
Wer ist, der nicht, mit Dank und Ehrfurcht, die Liebe dieser
Liebe preiset?
Da sie solch’ eine Menge Fische, im tiefen Schooß des Meers,
beschehrt,
Daß man in einem Tage fängt, was ganze Städt’ und Länder
nährt.
Da GOtt, durch sie, nicht nur die Reichen, nein, auch die
Armuht reichlich speiset,
Da sie aus dunkler Meeres-Tiefe sich, zur gewissen Zeit,
erheben,
Uns, und die flachen Ufer, suchen, sich nach den Ströhmen
und den Flüssen,
(wer faßt, und wer begreift den Trieb, durch welchen es
geschicht,) begeben,
Und, ohne Zwang, sich gleichsam selbst auf unsre Tische
liefern müssen.
Es scheinet recht, ob triebe sie, aus ihrem Sitz, so tief ins
Land,
Zum Nutzen und zur Lust der Menschen, ein’ unsichtbare
Wunder-Hand.
Wodurch, die weit vom Meere wohnen, auch an desselben
süssen Schätzen
Nicht minder einen Antheil haben, sich nähren und daran
ergetzen.
Noch mehr! die eines zarten, süssen, gesunden Fleisches find,
empfinden
Allein den Trieb, sich uns zu nähren; da andre in des Meeres
Gründen,
Und weit von uns entfernet, bleiben. Jmgleichen, daß die,
so uns nähren,
In solcher ungezählten Zahl, die andern sich nur sparsam,
mehren.
Da Wallfisch, Wallroß und dergleichen nur eins und höch-
stens zwey gebähren,
Wenn jene Millionen zeugen. Jmgleichen, daß verschiedene
Beständig bey uns seyn und bleiben, da uns die andern aus
der See
Zu einer richt’gen Zeit besuchen, mit ungezählten Schaaren
kommen.
Kommt nicht von Hering und von Stockfisch ein nicht zu
zählend Heer geschwommen,
Und liefert sich in unsre Netze. Da denn, ob mans gleich nicht
bedenkt,
Zum neuen Wunder uns das Salz, sie zu erhalten, ist
geschenkt.
Nun ist, bey diesen Wasser-Bürgern, so Mord, als Rauben,
unverwehret,
Sie fressen, sie verschlingen sich, daß es ein grosses Wunder
scheint,
Und zwar, wenn man es recht erwegt, ein grösser Wunder,
als man meynt,
Daß, da das Fisch-Heer so gefreßig, es sich einander nicht
verzehret.
Allein,
Fruchtbarkeit
Der Fische, die fast unerschöpflich und unbegreiflich ist,
gesetzet,
Daß man fast, wie den Sand am Meer, den Rogen für
unzählig schätzet.
Dieß zu erweisen, hat man eins von einem Fisch, zu einer
Zeit,
Desselben Eyerchen gezählt, und über die neun Millionen,
Drey hundert vier und vierzig tausend, bey ihm gefunden
und gesehn.
Hieraus kann man der Fische Menge, die in dem Schooß
des Meeres wohnen,
Samt ihrer Unerschöpflichkeit, zum theil begreifen und
verstehn,
Und daß man nicht zu fürchten habe, ob mögten Arten
untergehn,
Weil Gott dafür gesorget hat. Es hat vielmehr der Rau-
bereyen
Und der Gefreßigkeit der Fische der Mensch besonders sich zu
freuen,
Indem sie uns zu Nutzen kommt.
Der Hering, nebst viel andern Fischen, da, zu gewisser Zeit,
im Norden,
Sich, um den räuberischen Horden
Der Fische, die sich dort versammlet, um sie zu fressen, zu
entfliehn,
Der Hering’ ungezählte Zahl sich denn nach unsern Küsten
ziehn;
Daß wir daher gestehen müssen, wenn wir die Wahrheit
wollen sagen,
Daß viele Fische dazu dienen, die Fisch’ in unser Netz zu jagen.
Zudem gereicht die Fruchtbarkeit der Fisch’ und ihres Rogens
Menge,
(für die, wenn sie vollkommen würden, das Wasser selber
fast zu enge,
Indem es sie kaum faßte, wäre) dazu, daß sich die Fische
nähren,
Da sie derselben Ueberfluß, zum Wachsthum, und zur Lust,
verzehren.
“wie? spricht allhier vielleicht ein frecher und unver-
nünftger Atheist,
„der alles sonder Ueberlegung, und nach den Sinnen bloß,
ermißt.
„wie? muß nicht dieser Ueberfluß, ohn’ Widerspruch, euch
überführen,
„daß, so wie alles auf der Welt, auch dieß von ungefehr
geschehe?
„da ja ein weises Wesen weder, daß etwas, so zu viel,
entstehe,
„als, was zu wenig, wirken wird. Dieß läßt uns über-
zeuglich spüren,
„daß weder Ordnung oder Weisheit, in diesem Ueberfluß,
zu sehn,
„und daß, ohn’ allen Witz und Absicht, die Dinge, die
geschehn, geschehn.
„da von viel tausend Eyerchen kein einziges vollkommen
wird;
„hat Der denn, so die andern macht, in Seiner Absicht nicht
geirrt?
„ich kann von eurem Aberglauben der All-Bewundrung
nichts begreifen,
„und fühl’ ich mich, in meiner Meynung, durch die vergebne
Mühe steifen.
Wahrhaftig, es ist sehr betrübt, daß Menschen, so verstockt
zu sprechen,
So blind und so unüberlegt was anzusehn, sich nicht ent-
brechen;
Da ja die tägliche Erfahrung uns zeigt und überzeuglich
lehrt,
Wie noht und nütz der Ueberfluß, und wie Der zu bewundern
wehrt,
Der, da der Ueberfluß uns nöhtig, uns auch den Ueberfluß
beschehrt.
Beschwehren wir uns wohl darüber, wenn unsre Hühner
öfters pflegen,
Für uns, in einem einzgen Jahr, drey hundert Eyer fast zu
legen,
Wovon kein einzigs ausgebrütet, und alle sonst verzehret
werden,
Daß ihre Fruchtbarkeit zu stark? Kann man nicht augen-
scheinlich sehn,
Daß, durch den mächtigen Regierer und Schöpfer Himmels
und der Erden,
Der unerschöpften Fruchtbarkeit gehäufte Wirkungen
geschehn,
Damit nicht nur die Arten bleiben; nein, daß ihr grosser
Ueberfluß,
Nicht nur den Thieren, auch den Menschen, zum nütz- und
lieblichem Genuß,
Gereichen und sich mehren sollte. Wir sehen denn auch hier
die Spur,
Und zwar mit einer frohen Ehrfurcht, daß in den Werken
der Natur
Zu wenig nichts, auch nicht zu viel, verhanden sey. Wenn
wir dieß sehn,
So laßt uns unsers Schöpfers Weisheit, die unergründlich
ist, verstehn,
Und Jhn, in froher Ehrfurcht, suchen, mit Dank und Loben,
zu erhöhn!
Nun laßt uns bey den Fischen ferner doch noch ein Wun-
der überlegen,
Und, was doch wohl die Ursach sey, daß mit so ungezähltem
Heer
Die Fische, zu gewisser Zeit, in Flüß’ und Ströhm’, aus
tiefem Meer,
Wodurch sie uns zur Speise werden, so emsig sich erhöhn,
erwegen!
Die Absicht scheinet uns zum Besten. Die Mittel, welche
die Natur
Zu diesem grossen Zweck gebraucht, und meistens uns zum
Besten nur,
Sind ja so weis’ als ungekünstelt. Die Wasser-Würmer,
die in Flüssen
In ungezählter Menge wachsen, sind aller Fische Lecker-
Bissen,
Und eben diese sind die
Gründen,
Durch einen eingesenkten Trieb, gewiß sich bey uns ein-
zufinden,
Und uns, mit so viel Lust zu speisen, hervor zu locken, dienen
müssen.
Es sehe denn aus dieser Handlung, nebst andern Wun-
dern, jedermann
Den sonst ganz unbekannten Nutzen des schlechtsten Ungezie-
fers an,
Und denk’ an Dessen Lieb’ und Weisheit, Der solche Wunder
wirken kann
Durch so gering’ und schlechte Werkzeug’, die wir nicht anders
angesehn,
Als wären sie mehr schäd- als nützlich, als wenn sie ungefehr
entstehn;
Da sie jedoch nicht minder künstlich, nicht minder GOttes
Lob erhöhn.
Endlich ist der schnellen Fische wunderwürdige Figur,
Jhres Cörpers Wunder-Bau, ihre Art, sich zu bewegen,
Wie sie, sonder Händ’ und Füsse, sich, fast unbegreiflich,
regen,
Ohne Flügel, dennoch fliegen, als ein Wunder der Natur
Abermahl wohl zu betrachten, und vor vielen andern wehrt,
Daß man Den, Der es geordnet, voller frohen Ehrfurcht,
ehrt.
Wann der Kopf, fast aller Fische, sich von vorn allmählig
spitzet,
Findet sich, daß dieses ihnen, durch die Fluht zu dringen,
nützet,
Und der Schwanz, der durch die Muskeln sich auf alle
Weise krümmt,
Ist, den Fisch schnell fortzubringen, recht Verwunderns-
wehrt, bestimmt.
Er ist stark, und wendet sich schnell von der zu jener Seiten,
Wenn er sich gerade richtet, stösset er die hintre Fluht,
Und durch der Bewegung Kraft kann der Fisch schnell vor
sich gleiten,
Weit geschwinder, als ein Boot durch den langen Riemen
thut,
Den man hinten stark bewegt. Wozu denn noch ferner ihnen
Die am Bauch gewachsene Floß- und Wasser-Federn
dienen,
Da sie nemlich durch dieselben ebenfalls die Fluht zurück,
Und sich dadurch vorwerts bringen, auch in einem Augen-
blick,
Wenn sie sich nicht rühren, ruhn, ferner durch ihr wechselnd
Regen
Sich auf beyden Seiten lenken und unglaublich schnell
bewegen;
Ja, noch mehr durch dieses Werkzeug ihren Leib im Gleich-
Gewicht,
Und den Rücken oben halten, welcher sonst, als viel zu
schwehr,
Bey dem leichtern Bauch vermuhtlich unterwerts gekehret
wär,
Wie wir es bey todten Fischen, daß sie nicht mehr aufgericht,
Sondern auf dem Rücken treiben, öfters augenscheinlich
sehn.
Ja, so noch ein neues Wunder! Durch dieß Werkzeug können
sie,
Seiten- vor- und hinterwerts, sehr geschwind und sonder
Müh,
Sich bewegen, sich regieren, und auf allen Seiten drehen.
Aber, wie geschicht es doch, daß die Fische sich erhöhen,
Auch, so bald sie nur verlangen, sich schnell abwerts senken
können?
Hiezu hat der Schöpfer ihnen solch ein Werkzeug wollen
gönnen,
Welches recht Bewunderns-wehrt: Jeder hat in seinem
Bauch
Eine Flasche voller Luft, einen sonderbaren Schlauch,
Welchen man die Blase nennet; diese dient, den Fisch zu
heben,
Wenn sie sich vonsammen treibt, weil mehr Luft den Cörper
dehnet,
Und ihn doch nicht schwerer macht; welches ihm die Wege
bähnet,
Durch des Wassers Seul’ und Theile, die ihn tragen und
umgeben,
Wenn sich selbige vergrössern und vermehren, mehr zu
schweben;
Weil, wenn das Gewicht des Wassers sich vermehrt, es mehr
Gewicht,
Als es erst getragen, trägt. Wenn er nun die Blase
preßt,
Und die Luft, indem er drückt, durch die Kefen von sich
läßt,
Wird sein Umfang etwas kleiner, und kann soviel Wasser
nicht,
Als er erst beschlug, beschlagen, dadurch eben sinkt er
nieder,
Weil er schwerer, als das Wasser. Wie er aber Luft kann
fassen,
Und auf welche Weis’ und Art er die Luft im Wasser
wieder,
Die der Luft sonst widersteht, dennoch könne von sich
lassen,
Scheint von neuem unbegreiflich. Aber, wer das Werkzeug
sieht,
Wodurch von ihm diese Handlung, wenn der Fisch es
braucht, geschieht,
Muß mit Recht aufs neu erstaunen. Was wir bey uns
Kefen nennen,
Giebt ein kaum begreiflich Werk die Natur uns zu
erkennen:
Das Gewebe, die Gestalt, Farb’ und Stoff sind wahrlich
wehrt,
Daß man in so vieler Theile nöht- und künstlichen Verbin-
dung,
In so ungemeinen Werkzeugs unbegreiflicher Erfin-
dung,
Eine Weisheit, ohne Grenzen, merkt, bewundert und ver-
ehrt.
Dieses ist, mit solcher Kunst, in einander eingeschrän-
ket,
Daß dadurch sich gar kein Wasser, und nur bloß die Luft,
sich senket.
Welches Werk denn seinen Meister, auf besondre Weise,
preiset,
Und zugleich Macht, Lieb’ und Weisheit Deß, Der es erfun-
den, weiset.