Von der letzten zeit.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Was ist ein tag ein jahr? die zeit von hundert jahren

In welcher aus der welt viel tausend seelen fahren

Ein spiel das vielen kurtz und vielen lang muß seyn

O mensch nim alle zeit genau in augenschein!

Ein tag kommt dessen macht die jahre wird verschlingen

Ein jahr kommt dessen lauff nicht mehr wird tage bringen

O wunderbares jahr! o wunderbarer tag!

In welchem auffersteht was in den gräbern lag

Wer soll nicht alle tag an dieses jahr gedencken

Das aller zeiten stand wird in zwey theil verschrencken

Wo stete trauer-nacht wo stetes freuden-licht

Des himmels wollust-strahl der hölle marter sticht.

Jhr freches laster-volck ach lasset alle tage

Zu beyden ohren ein des letzten tages klage:

Nun muß die gantze welt vor ihrem richter stehn

Der keiner sünde zeit läst ungestrafft hingehn.

Wolt ihr o sterblichen! nicht mit der zeit verderben

So legt die zeit wohl an im leben und im sterben;

Der ist klug der wird fromm wer stets denckt an die zeit

Wenn ihn ein augenblick setzt in die ewigkeit.