Von der sommer-zeit.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Soll ich o sommer dich beschreiben?

Wer fühlet deine stärcke nicht

Die offt den leib so hefftig sticht

Daß er nicht mehr bedeckt kan bleiben?

Vermehrt doch schon dein hoher preiß

Auf beyden wangen meinen schweiß.

Du bist ein bräutigam der erden

Der in der liebe sich erhitzt

Bey dem die braut entblösset sitzt

Wenn sie von dir will fruchtbar werden

Weil ihre kinder nicht dein brod

Umkommen läst in hungers-noth.

Du giebst in allerlängsten tagen

Der arbeit ihr gewünschtes licht

Erfreuest aller angesicht

An dem was bäum und äcker tragen

Läst nicht der bauren häuser leer

Ernehrst der thiere grosses heer.

Dein heu speist rinder schafe pferde

Wenn sich der winter eingestellt

Der was uns giebt dein wald und feld

Trägt auf den tisch von seinem heerde

Weil ihm sein thun nichts leget ein.

Kan deines reichthums erbe seyn.

Doch müssen dich viel ohren hassen

Wenn dein gewitter blitzt und schlägt

Die furcht in zarte hertzen prägt

Niemanden will in ruhe lassen.

Denn höret man des höchsten stimm:

Jhr sünder fürchtet meinen grimm.