Von der ungleichen jahres-zeit.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Wje? soll die welt in ruhe stehen

Weil die verständige natur

Die werck in ihrer grossen uhr

Einander läst zu wider gehen?

Erregt nicht eine jahres-zeit

Vier mahl auf erden neuen streit?

Des frühlings angenehme sonne

Zerschmeltzt des kalten winters eiß:

Des dürren sommers heissen schweiß

Vertreibt des kühlen herbstes wonne:

Giebt jedes monats unterscheid

Dem felde nicht ein ander kleid?

Jhr sterblichen schaut an die gaben

Die uns der lentz und sommer giebt

Was man im herbst und winter liebt

Wer soll den preiß des vorzugs haben?

Des lentzes graß? des sommers klee?

Des herbsies wein? des winters schnee?

Des frühlings schöne stirn und wangen?

Des sommers warme hand und brust?

Des herbstes mund- und augen-lust?

Des winters wild- und vogel-fangen?

Die leibes-stärck und liebes macht?

Der kurtze tag die lange nacht?

Ich kan den grünen lentz nicht hassen:

Ja mir gefällt des sommers frucht:

Was man im herbst auf bäumen sucht:

Was man im winter soll umfassen.

So bringet mir vergnügsamkeit

Ein iedes theil der jahres-zeit.