Von der zeiten veränderung.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Die zeiten müssen sich vergleichen

Weil alle zeiten flüchtig seyn

Tritt wiederum der frühling ein

So pflegt der winter ihm zu weichen

Vergeht des sommers heisser brand

So kömmt des herbstes kühler stand.

Warum wolt ihr die zeiten hassen

Jhr die ihr seht der zeiten streit?

Weil euch in unvergnügsamkeit

Lentz sommer herbst und winter lassen

Weil aller zeiten lauff verrancht

Eh’ iemand ihrer recht gebraucht.

Was zeigt uns dieses wechsels schatten?

Ein bild der unbeständigkeit;

Ein werck der unvollkommenheit:

Weil nicht der himmel will verstatten

Daß etwas hier soll ewig stehn

Das mit den zeiten soll vergehn.

Jhr ändert ja der zeiten söhne

Der zeiten töchter allezeit

Indem ihr macht aus freude leid

Was gleich ist krum; was arg ist schöne;

Was starck ist schwach; was kalt ist heiß;

Was klein ist groß; was schwartz ist weiß.

Ein jahr ist unser gantzes leben:

Der frühling hält der jugend art

Der sommer der verliebte paart

Kan schöne frucht zu wiegen geben

Der herbst nimt an den kräfften ab

Der winter legt uns in das grab.