Von des Todes Gewißheit, und der Tugend Unsterblichkeit.
Man findet nichts vollkommen in der Welt,
Wir Menschen sind mit Sorgen, Pein und Plagen
All Ort und Zeit, in Städten, auf dem Feld,
Vom Himmel, Lufft, Meer, und uns selbst geschlagen:
Ja auch der Götter Macht
Hat ihr Wohnung vollkommen
Und selig nicht gemacht.
Wer hat nicht wahrgenommen,
Wie Sonn und Mond gemein
Verfinstern ihren Schein?
Und wie des Himmels Zeichen
Offt mangelhafft verbleichen?
Mit wie viel Angst, Gefahren, Müh und Noth
Sind ohn Ablaß wir Menschen umgegeben?
Diese mit List man übergibt dem Tod,
Jener hertzhafft verkrieget selbst sein Leben.
Dieser aus viel Verdruß
Und Trauren will verderben,
Jener erbärmlich muß
In der Gefängniß sterben.
Etlich dürstig nach Gut
Fliehen vor der Armuth,
Und ihren Geitz versincken,
Wann sie im Meer ertrincken.
Diese mit Wasser, Gifft, Schwerdt oder Strick
Selbst über sich ein schrecklich Urtheil sprechen,
Und rettend sich von zu schwerem Unglück
Zweiffeln sie nicht sich wider sich zu rächen.
Jene kommen mit Zwang
In dieses Lebens Leiden,
Finden gleich den Ausgang,
Und andre Müh vermeiden,
Oder sich in ihr Grab,
Eh sie einige Gab
Des Tags selig geniessen,
In Mutter-Leib beschliessen.
Der Tod gewiß klopffet mit einem Bein
An grosser Herrn Wolcken-tragende Schlösser,
Und armer Leut liegende Hüttelein,
Und ist für beyd weder böser noch besser.
Den Leib ein Tod allein
Mit unheilbaren Plagen,
Unentfliehlicher Pein,
Und undienstlichen Klagen,
Aengstiget Tag und Nacht,
Und die Seel wird gebracht
Vor Minos, der kein Flehen
Mehr pfleget anzusehen.
Der Weg ist breit in das finstere Hauß,
Offen die Thür, daß man hinein stets gehet,
Aber wiedrum zu entrinnen daraus,
Hierauf das Werck, hierauf die Müh bestehet.
Der Tugend Weg ist schmahl,
Mit Dornen wohl verschlossen,
Gering ist die Anzahl,
Deren die unverdrossen
Und durch der Götter Gunst,
Und der Tugend Einbrunst,
Von dem Pöffel entzogen
Zu dem Gestirn geflogen.
Der, deß Hertz mit Tugend gewaffnet ist,
Gleich wie, Potzheim, dein edles Hertz zu sehen,
Der kan des Glücks Zorn, Wanckelmuth, und List
Vest, wie ein Fels, unzaghafft widerstehen:
Er ist allzeit forchtloß,
Vor dem Strahl unverblichen,
Weißheit macht sein Hertz groß,
Stets siegreich, unvergliechen,
Er, der für seinen Lohn
Sucht der Seligkeit Cron,
Und sich selbst überlebet.