Von Melindens munde.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Allzugeringe faust! unwürdiges papier!

Ich weiß Melindens mund nicht lebhafft abzuschildern:

Es schickt mein pinsel sich nicht zu dergleichen bildern,

Und ein nur blasses blat faßt keine solche zier.

Es starrt, o schönster mund! so mund als hand vor dir,

Denn meine poesie will allbereits verwildern;

Doch dein gelinder kuß kan alle härte mildern:

Und wen dein othem rührt, der tritt getrost herfür.

Wohlan! so sey es denn: Die farbe deiner lippen

Steigt höher, als die pracht von den corallen-klippen,

Und wer im tode liegt, den macht ihr feuer frisch.

Zwar andern schlägt die brust weit eine süßre wunde;

Allein ich bin vergnügt, hab ich auf deinem munde,

Du andre Helena! nur einen freyen tisch.