Von unten auf !
Ein Dämpfer kam von Bieberich: — stolz war
die Furche, die er zog!
Er qualmt’ und räderte zu Thal, daß rechts und
links die Brandung flog!
Von Wimpeln und von Flaggen voll, schoß er
hinab keck und erfreut:
Den König, der in Preußen herrscht, nach seiner
Rheinburg trug er heut!
Die Sonne schien wie lauter Gold! Auftauchte
schimmernd Stadt um Stadt!
Der Rhein war wie ein Spiegel schier, und das
Verdeck war blank und glatt!
Die Dielen blitzten frisch gebohnt, und auf den
schmalen her und hin
Vergnügten Auges wandelten der König und die
Königin!
Nach allen Seiten schaut’ umher und winkte das
erhabne Paar;
Des Rheingau’s Reben grüßten sie und auch dein
Nußlaub, Sankt Goar!
Sie sahn zu Rhein, sie sahn zu Berg: — wie
war das Schifflein doch so nett!
Es ging sich auf den Dielen fast, als wie auf
Sanssouci’s Parket!
Doch unter all der Nettigkeit und unter all der
schwimmenden Pracht,
Da frißt und flammt das Element, das sie von
dannen schießen macht;
Da schafft in Ruß und Feuersgluth, der dieses
Glanzes Seele ist;
Da steht und schürt und ordnet er — der Prole-
tarier-Maschinist!
Da draußen lacht und grünt die Welt, da draußen
blitzt und rauscht der Rhein —
Er stiert den lieben langen Tag in seine Flam-
men nur hinein!
Im wollnen Hemde, halbernackt, vor seiner Esse
muß er steh’n,
Derweil ein König über ihm einschlürft der Berge
freies Weh’n!
Jetzt ist der Ofen zugekeilt, und Alles geht und
Alles paßt;
So gönnt er auf Minuten denn sich eine kurze
Sklavenrast.
Mit halbem Leibe taucht er auf aus seinem lo-
dernden Versteck;
In seiner Fallthür steht er da, und überschaut sich
das Verdeck.
Das glüh’nde Eisen in der Hand, Antlitz und Arme
roth erhitzt,
Mit der gewölbten haar’gen Brust auf das Ge-
länder breit gestützt —
So läßt er schweifen seinen Blick, so murrt er
leis dem Fürsten zu:
„wie mahnt dies Boot mich an den Staat! Licht
auf den Höhen wandelst
„tief unten aber, in der Nacht und in der Arbeit
dunkelm Schoos,
Tief unten, von der Noth gespornt, da schür’ und
schmied’
Nicht meines nur, auch Deines, Herr! Wer hält
die Räder Dir im Takt,
Wenn nicht mit schwielenharter Faust der Heizer
seine Eisen packt?
„du bist viel weniger ein Zeus, als ich, o König,
ein Titan!
Beherrsch’ ich nicht, auf dem Du gehst, den all-
zeit kochenden Vulkan?
Es liegt an mir: — Ein Ruck von mir, Ein
Schlag von mir zu dieser Frist,
Und siehe, das Gebäude stürzt, von welchem Du
die Spitze bist!
„der Boden birst, aufschlägt die Gluth und sprengt
Dich krachend in die Luft!
Wir aber steigen feuerfest aufwärts an’s Licht aus
unsrer Gruft!
Wir sind die Kraft! Wir hämmern jung das alte
morsche Ding, den Staat,
Die wir von Gottes Zorne sind bis jetzt das Pro-
letariat!
„dann schreit’ ich jauchzend durch die Welt! Auf mei-
nen Schultern, stark und breit,
Ein neuer Sankt Christophorus, trag’ ich den Christ
der neuen Zeit!
Ich bin der Riese, der nicht wankt! Ich bin’s,
durch den zum Siegesfest
Ueber den tosenden Strom der Zeit der Heiland
Geist sich tragen läßt!“
So hat in seinen krausen Bart der grollende Cyklop
gemurrt;
Dann geht er wieder an sein Werk, nimmt sein
Geschirr, und stocht und purrt.
Die Hebel knirschen auf und ab, die Flamme
strahlt ihm in’s Gesicht,
Der Dampf rumort; — er aber sagt: „Heut, zor-
nig Element noch nicht!“
Der bunte Dämpfer unterdeß legt vor Kapellen
zischend an;
Sechsspännig fährt die Majestät den jungen Stolzen-
fels hinan.
Der Heizer auch blickt auf zur Burg; von seinen
Flammen nur behorcht,
Lacht er: „Ei, wie man immer doch für künftige
Ruinen sorgt!“