Vorbericht zum zweyten Bande des verlohrnen Paradieses.
By John Milton
Als diese Welt noch nicht geschaffen war,
Und wüst und wild das Chaos da regierte,
Wo itzt voll Pracht sich diese Himmel vollen,
Und wo die Erd’ auf ihrem Mittelpunkt
Gegründet ruht; da wars an einem Tage,
Durch die Bewegung alles, was geschieht
Mit dem Vergangnen, Gegenwärtigen,
Und dem Zukünftgen) an solch einem Tage,
Wie ihn das große Jahr des Himmels zeugt,
Erschien, gefodert durch Befehl von Gott
Das ganze Heer der Engel vor dem Throne
Des Ewigen; unzählbar; eingetheilt
In ihre Hierarchien und Ordnungen;
Zehntausend tausend Fahnen und Standarten,
Und stralende Paniere, hoch erhöht,
Durchschimmerten im Vor- und Nachtrapp weit
Die Luft; und dieneten zum Unterschied
Für Hierarchien und Ordnungen und Stufen.
In ihren hellen Stoff war manche That
Von Lieb und heilgem Eifer eingewebt.
Indeß, daß Myriad an Myriade,
Und Kreis in Kreis, sich unabsehlig drängt,
Enthüllte sich dem Blick der flammende
Lichtklare Hügel, dessen obrer Gipfel
Unsichtbar war vor Herrlichkeit, die ihn
Bedeckte. Auf ihm saß der Ewige,
Und neben ihm in gleicher Herrlichkeit
Der Sohn; indem die Stimme Gottes sprach:
Hört, all ihr Engel, ihr, des Lichts Geschlecht,
Jhr Thronen, Fürsten, Kräfte, Tugenden,
Hört meinen Rathschluß, der unwiederruflich
Bestehn soll! Heute hab ich meinen Sohn
Gezeugt, und ihn gesalbt auf diesem Hügel,
Wo ihr ihn seht zu meiner rechten Hand.
Ich setz ihn euch zu eurem Oberhaupt
Und König; und ich habe bey mir selbst
Geschworen, aller Knie soll sich vor ihm
Jm Himmel beugen, und ihn für den Herrn
Erkennen! Unter ihm und seinem Reich
Seyd, als wie Eine Seele stets vereint,
Auf ewig glücklich. Wer ihm den Gehorsam
Versagt, versagt ihn mir; zerreißt das Band
Der Einigkeit, und soll noch diesen Tag
Von Gott verbannt, von seinem Anschaun fern,
Herunterstürzen in die äußerste
Furchtbare Finsterniß, den Ort der Quaal,
Für ihn bestimmt, ohn End, und ohn’ Erlösung.