Vorwürfe an mich selbst zur Zeit der Heu-Erndte.
Ich habe, mit vergnügter Lust,
Und innrer Regung meiner Brust,
Gar oft vor dem die Heu-Erndt’ angesehen.
Ich sah das frische Gras, nicht sonder Anmuht, mähen,
Ich sah es, mit empfindlichem Vergnügen,
So ordentlich in Schwaden liegen,
Ich roch, recht inniglich gerührt, den süssen Duft
Der, durch das frische Heu recht balsamierten, Luft,
Und dankte GOtt, daß, auch im frischen Heu,
Uns Seine Güte jährlich neu:
Obgleich von allem, was mich rührte,
Was ich mit Augen sah, und durch die Nase spührte,
Gar nichts mein eigen war. Jtzt, da mir so viel Wiesen,
Durch GOttes Huld, geschenkt, daß, von denselben, man
An Fudern mehr, als hundert, machen kann;
Hab ich Jhn lange nicht so brünstiglich gepriesen,
Als ich gesollt, und als ich schuldig wär.
Gewohnheit hat bisher,
Mit den fast nicht zu widerstehnden Kräften,
Nebst einigen geringen Amts-Geschäften,
Von meiner Schuldigkeit mich abgezogen.
Ach, schäme dich, mein Geist, eröffne dein Gesicht,
Und, durch so grosse Huld dazu bewogen,
Vergiß, für so viel Guts, des Dankens ferner nicht.
Ich sehe, wie mein’ eigne Wagen,
Mein eigen Heu, in schweren Schobern tragen,
So, daß des grossen Vorwerks Thüren
Für sie fast noch zu klein. Mein’ eigne Pferde führen
Und ziehn ihr eigne Kost. Hier fährt ein Wagen fort;
Ein andrer kommt zurück; der dritte wird beladen;
Den vierten macht man leer von seiner Bürde; dort
Und hier liegt noch, voll frischer Schwaden,
Ein Feld, so weit man sehen kann.
Mir müssen, ohne sie zu lohnen,
So viel ich nöhtig hab’, als Hofe-Dienste, frohnen.
Da mäht und dorten wendet man;
Hier macht man
Das Feld, zu meinem Nutz, scheint gleichsam ganz belebt.
Ach! daß mein Herze sich denn nicht bestrebt,
Für so viel Gutes, GOtt zu rühmen,
Dem Ehre, Preis und Dank gebührt,
Der, so zum Nutz, als Schmuck der Welt,
Ein sonsten dürr- und ödes Feld
Mit schönem Gras und Bluhmen ziert,
Der seinem Kraut die Wachsthums-Kraft,
Auch einer Nahrungs-Eigenschaft,
Für Menschen, denen Thieren schenket,
Und ihm zugleich, daß es, von Fäulniß frey,
Was erstlich Gras, hernach als Heu
Sich trocknen lässet, eingesenket,
Der gute Witterung, zumahl zur Erndte-Zeit,
An Wind und Sonnen-Schein verleiht,
Durch Den wir des Verstandes Gaben,
Es wirthlich zu verpflegen, haben.
Mein GOtt, der Du an uns so viele Wunder übst,
Der Du die Creaturen liebst,
Und mir absonderlich so vieles Gute giebst,
Ach laß, ich bitte Dich, aus Gnaden,
Mein’ Unempfindlichkeit mir doch nicht schaden!
Ach laß, für so viel schönes Heu,
Das höher, als man glaubt, zu schätzen,
Mein unterbliebenes Ergetzen
Und Unerkenntlichkeit, so ich bereu,
Mich nicht aus Deiner Gnade setzen!
Und weil doch, ohne Dich, nichts Guts geschehen kann;
So fleh ich Deine Lieb’ in Demuht ferner an!
Ach schenke mir, Dein’ Allmacht zu besingen,
Zugleich das Wollen und Vollbringen:
Laß, o Schöpfer aller Dinge,
Unser Lob nicht zu geringe,
Laß es Dir gefällig seyn!
Niemand kann Dich würdig preisen,
Niemand Dir gnug Ehr’ erweisen.
Dein ist alle Ehr’ allein.
Dennoch hoff’ ich, daß auf Erden
Unsrer Seelen frohe Triebe
Dir, aus Liebe,
Wenn sie Dich, in Deinen Werken,
So mit Lust, als Ehrfurcht merken,
Gänzlich nicht mißfallen werden.
Wenn wir fühlen und empfinden,
Wenn wir fassen und befinden,
Mit erstaunendem Gemühte,
Daß ein weis’ und mächtigs Wesen
Uns zum Vorwurf Seiner Güte,
Bloß aus Gnaden, auserlesen;
Daß Es nichts (o Liebe!) wolle,
Als daß man, durch Jhn vergnügt,
Unser’ eigne Lust Jhm zolle.
Daß man, aus Erkenntlichkeit,
Das, was Jhm mißfällt, zu fliehen,
Sich nach Möglichkeit bemühen,
Und freywillig meiden solle;
Daß wir, Jhn recht zu erhöhn,
Sonst kein Mittel finden können,
Als daß, in der Werke Pracht,
Wir die Weisheit, Lieb’ und Macht
Mit Bewunderung erkennen,
Und, zu Seinen Ehren, sehn,
Hören, riechen, fühlen, schmecken,
Auch, wie Er so wunderbar,
In den Werken, hell und klar,
Mit Bewunderung, entdecken.
Dieses thu ich nun allhier,
Grosser Schöpfer, laß doch Dir
Mein durch Dich erregtes Lallen,
Als ein Opfer-Rauch, gefallen!