Vorzug der blauen augen vor den schwartzen.
Lichtem blitz und schönen augen
Wird keine seele widerstehn.
Ein strahl kan alle krafft aus unsern adern saugen,
Den eine schöne läst aus ihren sonnen gehn.
Da weiß kein diamant zu halten,
Ein recht verliebter blick kan harte falsen spalten.
Durch zwey augen und die sonne
Besteht die klein’ und große welt:
Auf diese gründet sich der himmel unsrer wonne,
Denn wären beyde nicht, so stünd’ es schlecht bestellt.
Die sonn’ erleuchtet finstre hölen:
Der holden augen licht erqvickt betrübte seelen.
Augen sind der liebe wiege;
In diesen muscheln wächst das kind,
Vor dessen wunder-krafft ein adler eine fliege,
Und starcke riesen nur geschwächte zwerge sind.
In solchen angenehmen wellen
Läst die vergnügung ihr die lagerstatt bestellen.
Gleichwol streuen iede sterne
Nicht einen süßen glantz von sich.
Wo der Orion brennt, da creutzt kein schiffer gerne:
Kein schwartzes auge labt, ergetzt und reitzet mich.
Die finsterniß ist mir zuwider;
Vor nacht und schatten schlag’ ich stets mein auge nieder.
Blauen augen bleibt die crone,
Weil ihre farbe göttlich ist.
Hier sitzt die anmuth selbst auf dem sapphirnen throne,
Wenn sie der menschligkeit ein holdes urthel liest.
Aus schwartzen wolcken fahren blitze,
Aus blauen aber spielt beliebte sonnen-hitze.
Schwartz stammt aus der finstern hölle;
Blau schreihet sich vom himmel her.
Welch aug’ ergetzt sich nicht an einer blauen welle?
Von einer schwartzen grufft wird uns das hertze schwer.
In blauen augen ist mehr feuer.
In duncklen sternen sind beliebte strahlen theuer.
Schöne mütter, schöne kinder,
Kein mohr erzieht ein weisses kind.
Ein helden-vater zeugt nur lauter überwinder,
Gleichwie der perlen-than nur aus den wolcken rinnt.
Soll Venus erd und himmel grüßen,
Muß sie die blaue see als ihre mutter küssen.
Geht nur hin, ihr schwartzen lichter!
Die blauen gehen euch weit für.
Jhr himmlisch feuer crönt die trefflichsten gesichter:
Sie sind der redlichsten und klügsten geister zier.
Und aus der Pallas blauen augen
Weiß die gelehre welt die gröste krafft zu saugen.
Venus selbst kam aus den fluthen
Mit blauen augen auf die welt;
Doch als Adonis sich zu tode muste bluten,
So ward ihr alle freud’ und alle lust vergällt:
Drum ließ sie, um der wehmuth willen,
Der blauen augen licht mit schwartzem flohr umhüllen.
Zörnet nicht, ihr schwartzen kertzen!
Daß ich den blauen besser will.
Genug, daß euer blitz in tausend andern hertzen
Den hohen preiß gewinnt. Ein ieder hat sein ziel.
Doch weit von mir, ihr schwartzen diebe!
Es muß nichts schwartzes seyn, darein ich mich verliebe.
Perlen wachsen nicht in eßig:
Wer sucht die sonn’ in finstrer nacht?
Ich bin und bleibe stets der dunckelheit gehäßig,
Weil blitz und donner meist aus schwartzen wolcken kracht.
Will Venus meine freyheit schwächen,
So muß ihr goldner pfeil aus allen wolcken brechen?