Wandlung

By Clara Müller-Jahnke

Written 1882-01-01 - 1882-01-01

Du steinerne Stufe am grauen Haus,

wie sprang ich einst lachend auf dich hinaus!

Barfüßig im Hemde, ein fröhliches Kind –

und die Pappeln rauschten im Juniwind.

Die Wiese war klee- und mohndurchblüht

und der Berg von Sonne überglüht,

und die Frösche sangen in Moor und Sumpf

viel lustige Weisen dem Weidenstumpf.

Du steinerne Stufe, am grauen Haus –

aus ragenden Gassen zog ich aus

und habe müde und abgehetzt

den Lackschuh heute auf dich gesetzt.

Die Pappeln dorrten im Ofenbrand,

und die Wiese durchquert ein Eisenband –

über dem Berge im Abendhauch

kräuselt sich dicht der schwarze Rauch.

Nur der Klee blüht rot wie in alter Zeit,

und der Mohn brennt wie blutiges Herzeleid . . .

und die Frösche quaken in Sumpf und Moor

mir alte schaurige Weisen vor.