Warhaffte Mittel die Leiden dieser Zeit zu besiegen.

By Johann Justus Ebeling

Ein tausendfaches Misvergnügen,

Das quält die Menschen in der

Und wer dasselbe kan besiegen,

Heist warlich ein recht grosser Held:

Jhr Weisen gebet Mittel an,

Wie man die Noth bezwingen kan.

Jhr denket nach es zu ergtünden,

Jhr suchet die Zufriedenheit,

Ein Kleinod das sehr schwer zu finden,

In dieser unvollkommen Zeit:

Was lehret ein geschärfter Wiz?

Nur Mittel die für uns unnüz.

Der eine sagt bei Angst und Schmerze,

Bei folternden Verdrus und Pein,

Kan ein von Grosmuth starkes Herze,

Ein herrlich Lindrungs-Mittel seyn:

Allein er lehret nicht dabei,

Wo dieser Muth zu haben sey.

Die Noth zerbricht auch hartes Eisen,

Wer ist in Leiden so gesinnt,

Wo bleibt der Rath der klugen Weisen,

Wenn Herz und Muth wie Wachs zerrinnt?

Der Rathschlag der gelinget nicht,

Wenn man bei Angst von Grosmuth spricht.

Der andre sagt mit stolzen Mienen,

Daß einem gut und weisen Mann,

Wenn ihm ein Unglüksstern erschienen,

Kein Unglük doch begegnen kan,

Es sey nur alles Einbildung;

Die Welt ein Land voll Aenderung.

Man muß, spricht er, nur weise denken,

Daß Trübsal Unbequemlichkeit;

Alsdenn wird uns der Schmerz nicht kränken,

Nicht plagen ein sonst quälend Leid:

Jedoch was feurig ist, das brennt,

Wenn man es gleich schon Wasser nennt.

Die Menschen die im Elend weinen,

Die klagen darum nicht so sehr,

Weil sie aus falschen Grunde meinen,

Daß ihre Noth ein Uebel wär,

Sie klagen weil das Herze fühlt,

Das Leiden das im Gliedern wühlt.

Der dritte giebt stat Arzeneien,

Man soll die Einbildung erhöhn,

Und sich darob vorhero freuen

Was man ins künftig werde sehn:

Allein wird woll die Angst erstikt,

Wenn man im Traum ein Glük erblikt?

Die alten Weisen dieser Erden,

Die geben Mittel an die Hand

Zu lindern der Natur Beschwerden,

Jedoch es wird nicht weggebannt,

Wenn man kein andres Mittel hat,

Als diesen blos vernünftgen Rath.

Wer eine Noth denkt zu bezwingen,

Der muß zuerst die Ursach sehn,

Woher die Plagen recht entspringen,

Woher die Leiden all entstehn.

Wer nicht den Grund des Uebels sieht,

Der ist zur Hülf umsonst bemüht.

Die Quelle aller Leidenschaften

Ist, weil die Menschen mit den Sin

An Dingen dieser Erden hafften,

Und suchen zeitlichen Gewinn.

Was Sichtbahr ist, das muß vergehn,

Daraus entstehen alle Wehn.

Wer das was irdisch ist sehr liebet,

Der grämet sich ob dem Verlust,

Die Furcht die plaget und betrübet,

Die wohnet stets in einer Brust,

Die nichts mehr wünschet und verlangt,

Als Güter, dran ein Scheingold prangt.

Wer seine Leiden will besiegen,

In dieser Kummervollen Welt,

Der mäsige stets sein Vergnügen,

Das ihm die Erde vorgestellt,

Der drüke sich die Warheit ein,

Was Sichtbar kan vergänglich seyn.

Wer nicht im Kummer will verzagen,

Der glaube eine Vorsehung,

Die weiß und kennet unste Plagen,

Die schaffet uns auch Linderung,

Und schenket uns den Freuden-Wein,

In einem Thränen-Becher ein.

Was uns auf dieser Welt begegnet,

Das nüzzet in der Ewigkeit;

Was schadts dem Akker wens drauf regnet?

Es dient zur guten Erndte-Zeit:

So auch wer freudig erndten will,

Der bleibe hier in Thränen still.

Man muß in Leiden dieser Zeiten,

Jm Glauben auf das Künfftge sehn,

Was

In Salems hellgestirnten Höhn;

So wird das bange Herz verklärt,

Wenn es von Kummer wird beschwert.

Man muß was Zeitlich ist bedenken,

Wie bald dasselbige vergeht,

Das Herze auf das Ewge lenken,

Das ohne Aenderung besteht:

Es schwindet alle Kümmerniß,

So bald man gläubt daß dies gewis.

Darum ihr traurigen Gemüther,

Die ihr im Gram und Schwermuth liegt,

Beschaut das Reich der ewgen Güter;

So wird das Herz in

Ruft seine Wunder-Güte an,

Die alle Plagen mindern kan.

Braucht diese Mittel die wir preisen,

Es stekt darin der gute Rath,

Den uns der Lehrer aller Weisen

In seinem Wort gegeben hat:

Und JEsus Zeugen zeigen klar,

Jm Beispiel

Die Mittel haben sie gestärket,

Dagegen sie die Höll erboßt,

Sie sind im Leiden, wie man merket

Zufriednes Herzens und getrost:

Wer nimmt die Arzenei nicht ein,

Da viele durch geholffen seyn?