[Was hat ein frommer Christ doch Noth]

By Simon Dach

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Was hat ein frommer Christ doch Noth

So heydnisch sich zu halten,

Wenn Gott jhm selig durch den Todt

Die Seinen läst erkalten?

Ihm ist ja auß der Schrifft bekant

Daß, die auff Christum sterben,

Den Himmel vnser Vaterland

Vnwiedersprechlich erben,

Da Gott den wahren Reichthum Sich

Giebt herrlich zu geniessen,

Da Frewden sind, vnd mildiglich

Des Lebens Ströme fliessen:

Da weder Hertzleid noch Gefahr

Mag ewig hin gelangen,

Vnd da der lieben Engel Schar

Die Frommen stets vmbfangen.

Der Außerwehlten Frewd vnd Lust

Geht vber alle Zungen,

Sie ist noch keinem je bewust,

Ist keines Hertz durchdrungen,

Kein Aug hat jemahls angesehn,

Kein Ohr hat je gehöret,

Was dem dort gutes sol geschehn

Der Gott hie hertzlich ehret.

Wer diese Sachen allzumahl

Sich Christlich läst bedeuten,

Wird lachend auß dem Jammerthal

Die Seinen hin begleiten,

Vnd wünschen, daß auch er der Pein

Des Kummers dieser Erden

Durch ein gewünschtes Stündelein

Bald mag befreyet werden.

Wir wollen, die sich fort gemacht,

Im Friede schlaffen lassen,

Vnd bloß nur seyn auff vns bedacht,

Der Sünden wege hassen,

Daß wir, weil sie nun ewig nicht

Zu vns zurücke kommen,

Zu jhnen in das wahre Liecht

Bald werden auffgenommen.