[Was ist des Menschen Zeit und Leben/ als ein Tag]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Was ist des Menschen Zeit und Leben als ein Tag

Der einer düstren Nacht bey nahe gleichen mag;

Der Morgen geht dahin eh des Verstandes Licht

Sich von der Finsternis der jungen Jahr entbricht.

Der kurtze Mittag schließt den zweifelhafften Schein

Der Ehren und des Glücks in enge Schrancken ein

Ein früher Abend raubt unfehlbar Sonn und Licht

Daß auch der Morgen offt und Mittag unterbricht

Auff diesen Abend folgt des Grabes schwartze Nacht.

Wohl dem der so den Tag des Lebens zugebracht

Daß er die stille Nacht in süsser Ruh verschließt

Und frölich mit der Zeit den andern Morgen grüßt

Der einen ewigs Licht und Leben hoffen heist

Den andern in das Reich der steten Nacht verweist.

O Licht von welchem ich empfangen Schein und Licht

Mein Morgen weiß ohn dich von keinem Lichte nicht

Mein Mittag muß ohn dich seyn düstre Mitternacht

Mein Abend wird ohn dich in Schrecken zugebracht

Drauff folget eine Nacht die mir in Ewigkeit

Mit schwerer Finsternis und trüben Schatten dräut.

Der Morgen ist nunmehr durch deine Gunst vorbey

Darinn kein Augenblick von finstren Wercken frey

Dieselben laß verbannt vor deinem Angesicht

In stete Finsterniß mich weiter schrecken nicht;

Den Mittag meiner Zeit und Jahre tret ich an

Gieb daß ich von dir Licht und Sonne schöpffen kan

Daß sich mein Auge lenckt nach deiner Lehre Pol

Biß ich den eitlen Glantz der Welt gesegnen soll

Und von der trüben Nacht des Todes unerschreckt

Zur frohen Ewigkeit von dir werd aufferweckt.