[Was unser Muht vermocht/ weiß alle Welt zu melden]Fußnoten

By Georg Philipp Harsdörffer

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Was unser Muht vermocht weiß alle Welt zu melden

Man frag' Antenors Stadt und samte Niederland

Wir dämpften erstes Dampfs den Teutschen Kriegesbrand.

Bald grub uns Vngarn ein das Grab beruchter Helden.

Mein Helden-Hand hielt auf die Hoffnung in der Flucht

Es niesset Niederland nach meiner Thaten Frucht.

Ich hab der grösten Kron mit Glükk mich widersetzet:

Der hat den stärksten Feind der die Gedult verletzet.

Ich war ein küner Held dem mancher Held zuwider

Doch legte meinen Ruhm und mich das Beuten nieder.

Ich hab den Feind mit Krieg und sonder Geld gefehrt

Die That erwehrtet Lob wann Kriegen Krieger nehrt.

Mein Sinn sann überweit das hat mein Tod verkürtzt

Mein Tod hat dessen Glut ins küle Grab gestürtzt:

Noch glimmt der hohe Raht man wird sein nicht vergessen

Es blühen Lorbeer auf nechst meinen Grab Zypressen.

Gleichwie der Phönix wird von Flammen aufgefressen

Vnd einer seiner Art kreucht aus der Asch hervor:

So stieg ich auf dem Grab als Moritz fiel empor.

Vns Beyde rümt die Welt wir bleiben unvergessen.

Wer Krieges-Zepter fürt der lerne von mir Siegen

Mein Krieg war bald geendt doch sonder Siegers-zwang.

Wer friedlich siegen will der kriege nicht zu lang:

Der längste Sieges-Ruhm ist allerkürtztes Kriegen.

Man sagt ich trage Schuld daß man noch Waffen trägt

Die ich der erste nahm. Nein Landgemeine Sünden

Ach! Sünden konden so den Jammerkrieg anzünden.

Ein jeder was er mich beschuldet bey sich hegt.

Den Feinden war ich stäts ein scharfer Stachel-Dorn

Die Pfaltz und Niederland bezärt noch meinen Zorn

Der Mantuaner auch. Hälf Dapferkeit für Sterben

Man läse dieses nicht: Mein Ruhm wird nie verderben.

Ich war mit Raht und That ein klugbehertzter Held

Der sonsten eine Red nie zweymahl vorgestellt.

Die mir vertraute Magd hab ich mit Macht geschutzet

Vnd biß in meinenTod des Feindes Trutz getrutzet.

Mein Ruhm sagt wer ich bin: Ein alter Kriegesmann

Den Trunk noch Lieb betört Doch nahm ich Krantz und Ehre

Der grossen Burge-Magd von der ein Blutbad rann:

Es mordet auch der ficht Mich kränkt es ja so sehre.

Ich fiel wann fallen kan der stäts den Feind bestanden

Doch hab ich eine Seul im Fallen aufgestellt

Die Seule meines Siegs. So steht in Teutschen Landen

Mein Wunder-Helden Nahm der nimmer nimmer fällt.

Wie lebt der lebt voll Forcht? Ich kan kein Feiger seyn

So sagt ich der ich war zu Krieg und Sieg erschaffen.

Ich stunde Mauerfest und Lützen warf mich ein:

Die Wunden zieren den der stirbet in den Waffen.

Die Böhmen hatten mich zu ihrem Haubt erfraget

Bekrönet meinen Hut: Der Raht vermisst die That

Nun daß der Krebesgang ihn so geäffet hat.

Das Glükk hat mir die Kron der Krieg den Sieg versaget?

Ich war ein Kriegesheld ein König von Geburt

Vnd auch der Musen Sohn. Ich liebte den Poeten

Vnd Opitz wieder mich. Mich gab in Friedesfurt

Ein falscher Bissen Bley windschnellen Todesnöten.

Nicht Ankunft mein Verdienst gab mir den Fürstenfahn

Doch war die Ehrenschwell ein schneller Trauerschwan.

Verdacht hat mich ermordt Mord kürtzte mir das Leben

Mein und des Täters Recht wolt lange wagbar schweben.

Du kennest Mantua die dapfre Ritterfaust

Die auch der Teutschen Haubt zu Diensten angenommen.

Bald hat mich auf der Fahrt ein Mordmetall durchsaust:

Vnselig ist üm den die Neiderhummeln brummen.

Der seltne Tugendtrieb trieb meinen Heldensinn

Vor Nördling in das Feld das von mir weiß zu sagen

Dem dritten Ferdinand half ich die Feinde schlagen.

Bald nehme Sieg und mich die Kinderkrankheit hin.

Dem Keiser blieb ich treu da andre Seitwarts wichen

Ich hielte wie man soll. Doch must ich bald davon:

Das Werk hat mir versagt den Willen lobt der Lohn.

Kaum war ich Haubt erwält da war mein Haubt verblichen.

Dort als Gustavus fiel mißfiel mir fast zu leben

Doch blieb mir Feld und Sieg der mir gefolget nach.

Mir hat der Vatter Rhein die Blum der Töchter geben:

Von der ich kriegte Preiß die Feinde Spott und Ach.

Ich war es der zumahl der erste grief zum Degen

Dem grossen Adler dorft ich mich zu wider legen.

Die Bömen fürt ich an zog vor die Keiser-Stadt

Gantz Mähren fiel mir zu. Von mir redt manche That.

Mein König wälte mich zum Raht und Kriegsgesellen

Der war ich weil ich war üm ihn mit Raht und That

Der Taht und Tugend-Ruhm mein Haubt bepalmet hat

Mich kränkte daß nicht solt ein Feind im Feld mich fellen.

Ich war von schlechtem Stand doch grösser am Gemüte

Vnd an Verstand als der vom Fürstlichen Geblüte:

Ein Held an Hertz und Witz der erste stäts vorm Feind

So fand mich auch der Tod. Mich lobet Feind und Freund.

Mich hat das Tugend-Recht benahmet den Gerechten.

Die Rechte meines Sohns soll mir ein Recht verfechten

Ob die gerechte Sach berechte meinen Krieg:

Auf Rache die gerecht folgt der gerechte Sieg.

Dem Spielen war ich gram und geiler Metzen Schaar

Dem Saufen spinnefeind. In teuren Tugendschätzen

Vnd hoher Dapferkeit sucht ich nur mein Ergetzen.

Ich fiel die Tugend lebt der Leib ruht auf der Baar.