[Was wilt du/ stiller Celadon]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Was wilt du stiller Celadon

Bey Leuten eitler Sinnen machen

Wo Trug und List ein herber Lohn

Auff treuer Unschuld Schaden wachen?

Der Kittel alter Redligkeit

Ist für die Mode-Welt ein viel zu schlechtes Kleid.

Wer anders sagt und anders denckt

Bey Höll und Himmel sich verschweret

Sein Hertze dar und hier verschenckt

Und doch an keinem Ort gewehret

Verstehet seine Sachen wohl

Und weiß wie er sich recht bey Leuten halten soll.

Ich habe zwar vom Amadiß

Die meisten Theile durchstudiret

Ich weiß was zu der Argenis

Für Wort' ihr Poliarchus führet

Der Schäffereyen schönes Land

Und Zipriens Parnaß ist mir nicht unbekandt.

Papier und Feder schämt sich nicht

Läst wohl ein eitles Wort entfliegen

Hat eh ein Liedchen eingericht

Der Leute Willen zu vergnügen;

Doch kömmts zum Reden so hats Noth

Die Zunge wird mir schwer die Wangen werden roth.

Ich kan mich an die Heucheley

Und Hinterlist der Welt nicht binden

Noch in die schnöde Sclaverey

Gezwungner Höfligkeiten finden.

Bin allzu sparsam stets verliebt

Für Leute freyen Sinns zu stille zu betrübt.

Was meinen Augen nicht gefällt

Drum kan ich mich nicht viel bemühen

Und solt ich allen Haß der Welt

Mir drüber auff den Nacken ziehen.

Ich halt auff meiner Freyheit Recht

Weil mich der Himmel nicht gezeuget einen Knecht.

Die Redligkeit mein bestes Gutt

Kan ich niemahls von Sinne lassen

Ich will mir einen frischen Mutt

Zu Trotze meinen Neidern fassen:

Laß Sturm und Wetter um mich seyn

Ich hülle mich getrost in meine Tugend ein.

Wer nicht mein stilles Wesen liebt

Kan meine Gegenwart nur meiden

Ich werde mich gantz unbetrübt

Von seiner rohen Seite scheiden

Beständigkeit und reine Treu

Ist mein gewisser Schmuck und beste Liverey.