[Was wilt du/ stiller Celadon]
Written 1672-01-01 - 1672-01-01
Was wilt du stiller Celadon
Bey Leuten eitler Sinnen machen
Wo Trug und List ein herber Lohn
Auff treuer Unschuld Schaden wachen?
Der Kittel alter Redligkeit
Ist für die Mode-Welt ein viel zu schlechtes Kleid.
Wer anders sagt und anders denckt
Bey Höll und Himmel sich verschweret
Sein Hertze dar und hier verschenckt
Und doch an keinem Ort gewehret
Verstehet seine Sachen wohl
Und weiß wie er sich recht bey Leuten halten soll.
Ich habe zwar vom Amadiß
Die meisten Theile durchstudiret
Ich weiß was zu der Argenis
Für Wort' ihr Poliarchus führet
Der Schäffereyen schönes Land
Und Zipriens Parnaß ist mir nicht unbekandt.
Papier und Feder schämt sich nicht
Läst wohl ein eitles Wort entfliegen
Hat eh ein Liedchen eingericht
Der Leute Willen zu vergnügen;
Doch kömmts zum Reden so hats Noth
Die Zunge wird mir schwer die Wangen werden roth.
Ich kan mich an die Heucheley
Und Hinterlist der Welt nicht binden
Noch in die schnöde Sclaverey
Gezwungner Höfligkeiten finden.
Bin allzu sparsam stets verliebt
Für Leute freyen Sinns zu stille zu betrübt.
Was meinen Augen nicht gefällt
Drum kan ich mich nicht viel bemühen
Und solt ich allen Haß der Welt
Mir drüber auff den Nacken ziehen.
Ich halt auff meiner Freyheit Recht
Weil mich der Himmel nicht gezeuget einen Knecht.
Die Redligkeit mein bestes Gutt
Kan ich niemahls von Sinne lassen
Ich will mir einen frischen Mutt
Zu Trotze meinen Neidern fassen:
Laß Sturm und Wetter um mich seyn
Ich hülle mich getrost in meine Tugend ein.
Wer nicht mein stilles Wesen liebt
Kan meine Gegenwart nur meiden
Ich werde mich gantz unbetrübt
Von seiner rohen Seite scheiden
Beständigkeit und reine Treu
Ist mein gewisser Schmuck und beste Liverey.