[Was wiltu Doris machen]

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Written 1647-01-01 - 1647-01-01

Was wiltu Doris machen

Brich deinen stoltzen geist;

Diß was du schönheit heist

Sind blumen-gleiche sachen

Die unbeständig sind

Und fliehen wie der wind.

Es wird auff deinen wangen

Nicht steter frühling seyn.

Es weicht der sternen schein

Als wie der blumen prangen.

Die zeit so alles bricht

Schont auch des leibes nicht.

Was ist der schönheit gläntzen

Als ein geschwinder blitz?

Sein zubereiter sitz

Besteht in engen gräntzen.

Kein fluß verrauscht so bald

Als schönheit und gestalt.

Was heute purpur träget

Und alabaster führt:.

Was sich mit rosen ziert

Wird morgen hingeleget

Und ruhet ungeacht

In seiner todes-nacht.

Nun Doris lerne kennen

Was falscher hochmuth sey

Bleib nicht alleine frey

Laß deine jugend brennen

Und laß der liebe glut

Durchwandern hertz und blut.

Gebrauche deine schätze

Weil blut und blüte siegt.

Wann dich die zeit betriegt

So trennet auch das netze

So vormahls um dich hieng

Und manche seele fieng.

So du dich selbst kanst lieben

So nimm die warnung an

Die ich dir itzt gethan.

Ich werde mich betrüben

So diese rose stirbt

Und ohne lust verdirbt.