[Was zwingt die Liebe nicht? Cupidens List und Macht]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Was zwingt die Liebe nicht? Cupidens List und Macht

Hat manchen Jupiter in seine Netze bracht.

Gradivens kühner Leib in Stahl geschlossen ein

Kan für den Waffen nicht der Venus sicher seyn.

Der Schönheit brennend Glantz verstärckt das helle Licht

Im fall sein Gegen-Schein auff festen Stahl gericht

Kein Hertze findet sich so eisenhart und kalt

Sie bildet in ihm ab die liebliche Gestalt

Des Schönen Angesichts und heget wo nicht Brunst

Doch eine stille Glutt und zugethane Gunst.

Des Menschen Eigenschafft des Menschen Sinn und Stand

Die Ordnung der Natur bringt mit sich solchen Brand

Den ein verliebter Geist in allen Adern fühlt

Mit steter Gegenwart zu neuem Zunder kühlt.

Nicht lieben was man doch für Liebens würdig hält

Ist eine Sache die zu schwer dem Willen fällt;

Dem Willen welcher diß zu haben ist bedacht

Was ihm der Sinnen Schluß als liebbar vorgebracht.

Diß Lieben was sich uns als unser Bildniß zeigt

Ja näher als ein Bild zu unsrer Gleichheit neigt

Ist unsre von Natur verpflichte Schuldigkeit

Die uns und was uns gleicht zu lieben selbst gebeut.

Zu dem noch die Gewalt des Gegenstandes kümmt

Die durch verborgnen Zug uns unsre Freyheit nimmt

Und mit dem Wercke selbst bezeugt vor iedermann:

Die Frauen-Liebe sey der Männer ihr Tyrann.