Wechsel-Rede des Adels und der Nachwelt Bey Beerdigung Hn. H. v. P. den 30. Octo...

By Heinrich Mühlpfort

Ach Göttin die du siehst in Abgrund aller Zeiten

Die kein Lebendiger in seinen Arm gefaßt

Die zwar kein Mensch gesehn da du doch Augen hast

Und must der Menschen Thun mit deinem Mund ausbreitē!

Die du den Urtheil-Spruch von unsern Thaten sag’st

Und frey die Tugend lobst und an die Laster klag’st.

Die man sucht überall und nirgend doch kan finden

Dem der dir nachgesetzt pflegstu nur zu entfliehn

Du wirst bey Hochmuth nicht und Eitelkeit einziehn

Den Sitz mehr auff ein Grab als Thron und Cronen gründen

Wo dir mein Aug’ als Blut mein Mund erscheint als Bley

So dencke daß mein Schmertz gewiß höchstklagbar sey.

Betrübtste was ist das? welch grausam Ungewitter

Blitzt über deinem Kopff zerbricht dir Helm und Schild

Zerreist die Sieges-Fahn und hat schon eingehüllt

Ach Schmertz! ins Leichen-Tuch den hochgebornen Ritter?

Der einem Atlas gleich das Land hat unterstützt.

Gemeines Heil geliebt und deinen Ruhm beschützt.

Nein Schwester dencke nicht das

Als aus dem Cörper nur entwich der edle Geist

Und seinem Ursprung nach den Sternen zugereist

Hieß die Unsterblichkeit ein ewig Lob ihn erben.

Ertheilte mir Befehl daß ich durch meinen Klang

Verkündigte dein Ruhm bey Auf- und Untergang.

Mein schönstes Kleinod ist aus meinem Ring gefallen

Er war in meiner Cron ein mehr als edler Stein

Wie offt hat mich erquickt der Tugend Sonnen-Schein

Ach daß doch Cedern auch gleich andern Bäumen fallen!

So gibt der werthe Mund mir ferner keinen Rath

Der Perlen ausgeschütt’t und Gold geregnet hat.

Sein

Schenckt keinen Phönix mehr zu Nutz und Trost der Welt.

Die Wurtzel ist verletzt die Aeste sind gefällt

Was einmal schon entzwey kan Chiron nicht ergäntzen.

Diß ist der Uberrest was ich zu Grabe führ’

Und noch zuletzt die Asch’ aus Treu und Pflicht berühr.

Es sey du lieferst ja nur bloß des Leibes Schalen

Der Seelen himmlisch Fener blitzt unter Sternen schon.

Jetzt geb ich billich ihm den längst erworb’nen Lohn

Und will den

Reiß meinen Vorsatz nicht durch deine Thränen ein

Diß Opffer fühlt er nicht nur bloß der Leichenstein.

Rom hat mit im Triumph der Ahnen Rey getragen

Wenn das begraute Wax die ersten Väter wieß;

Sie auf das Rahthauß hieng an Seulen sehen ließ

Den Kindern gleichen Trieb der Tugend einzujagen.

Weil doch der Adelstand durch Waffen und durch Kunst

Ersteigt der Ehre Schloß erlangt der Fürsten Gunst.

Ein solcher Ritter war mein

Sein Stamm-Register ligt mir immer im Gesicht;

Den Nestor unser Zeit wer kennt den Vater nicht?

Der seinem Vaterland zu grossem Ruhm geboren

Viel treue Dienste hat biß in sein Grab gethan

Den mit Verwundern sah’ der Perß und Indian.

Dergleichen Helden Muth und Eyfer zu der Tugend

Wuchs in des Sohnes Brust; wie aus Aurorens Schein

Man sicher schliessen kan was für ein Tag wird seyn

So ließ er auch bald sehn den Morgen seiner Jugend.

Sein ausgeklärter Sinn stieg auf Parnassus Höh

Und saugte Bienen gleich der Musen süssen Klee.

Es prüffte seinen Fleiß der treuen Lehrer Stimme;

Gleich wie ein hurtig Pferd so bald man es sticht an

Laufft schnell als Pfeil und Wind auf seiner Rennebahn.

Sie sahen was in ihm für edler Zunder glimme.

Und weil die Pallas wird geharnischt fürgestellt

Hat er der Ritter-Schweiß dem Bücher-Fleiß gesellt.

Denn gieng er in die Welt wie Adler in die Sonne

Es schien ihm dieses Rund wie Alexandern klein.

Er wolte bald bey Ost und bald bey Norden seyn

Denn schwam er auf der Maaß beschiffte die Garonne

Jhm war so wol der Po als auch der Belth bekandt

Nannt jeden frembden Ort sein ander Vaterland.

Er hat den schwartzen Mohr den weisen Scyth gesehen

Der Könige Paläst und Höfe wol betracht:

Zu Gnad und Hulden sich bey Fürsten angebracht:

Und wolte gleich das Glück den Vorsatz offt verdrähen

So prüfft er in Gedult den Wechselgang der Zeit

Der heute Wermuth reicht und morgen Zucker streut.

Ulysses gab ihm Witz und Cäsar zeigt ihm Thaten

Camillus seine Treu und Scipio den Muth:

Der Cato den Bestand besigelt durch sein Blut

Ein friedlicher August wie glimpflich sey zu rathen.

Er kam wie Jason heim der Tugend güldnes Fließ

War Wissenschafft und Witz so häuffig sich erwieß.