Wechsel-Rede des Adels und der Nachwelt Bey Beerdigung Hn. H. v. P. den 30. Octo...
Ach Göttin die du siehst in Abgrund aller Zeiten
Die kein Lebendiger in seinen Arm gefaßt
Die zwar kein Mensch gesehn da du doch Augen hast
Und must der Menschen Thun mit deinem Mund ausbreitē!
Die du den Urtheil-Spruch von unsern Thaten sag’st
Und frey die Tugend lobst und an die Laster klag’st.
Die man sucht überall und nirgend doch kan finden
Dem der dir nachgesetzt pflegstu nur zu entfliehn
Du wirst bey Hochmuth nicht und Eitelkeit einziehn
Den Sitz mehr auff ein Grab als Thron und Cronen gründen
Wo dir mein Aug’ als Blut mein Mund erscheint als Bley
So dencke daß mein Schmertz gewiß höchstklagbar sey.
Betrübtste was ist das? welch grausam Ungewitter
Blitzt über deinem Kopff zerbricht dir Helm und Schild
Zerreist die Sieges-Fahn und hat schon eingehüllt
Ach Schmertz! ins Leichen-Tuch den hochgebornen Ritter?
Der einem Atlas gleich das Land hat unterstützt.
Gemeines Heil geliebt und deinen Ruhm beschützt.
Nein Schwester dencke nicht das
Als aus dem Cörper nur entwich der edle Geist
Und seinem Ursprung nach den Sternen zugereist
Hieß die Unsterblichkeit ein ewig Lob ihn erben.
Ertheilte mir Befehl daß ich durch meinen Klang
Verkündigte dein Ruhm bey Auf- und Untergang.
Mein schönstes Kleinod ist aus meinem Ring gefallen
Er war in meiner Cron ein mehr als edler Stein
Wie offt hat mich erquickt der Tugend Sonnen-Schein
Ach daß doch Cedern auch gleich andern Bäumen fallen!
So gibt der werthe Mund mir ferner keinen Rath
Der Perlen ausgeschütt’t und Gold geregnet hat.
Sein
Schenckt keinen Phönix mehr zu Nutz und Trost der Welt.
Die Wurtzel ist verletzt die Aeste sind gefällt
Was einmal schon entzwey kan Chiron nicht ergäntzen.
Diß ist der Uberrest was ich zu Grabe führ’
Und noch zuletzt die Asch’ aus Treu und Pflicht berühr.
Es sey du lieferst ja nur bloß des Leibes Schalen
Der Seelen himmlisch Fener blitzt unter Sternen schon.
Jetzt geb ich billich ihm den längst erworb’nen Lohn
Und will den
Reiß meinen Vorsatz nicht durch deine Thränen ein
Diß Opffer fühlt er nicht nur bloß der Leichenstein.
Rom hat mit im Triumph der Ahnen Rey getragen
Wenn das begraute Wax die ersten Väter wieß;
Sie auf das Rahthauß hieng an Seulen sehen ließ
Den Kindern gleichen Trieb der Tugend einzujagen.
Weil doch der Adelstand durch Waffen und durch Kunst
Ersteigt der Ehre Schloß erlangt der Fürsten Gunst.
Ein solcher Ritter war mein
Sein Stamm-Register ligt mir immer im Gesicht;
Den Nestor unser Zeit wer kennt den Vater nicht?
Der seinem Vaterland zu grossem Ruhm geboren
Viel treue Dienste hat biß in sein Grab gethan
Den mit Verwundern sah’ der Perß und Indian.
Dergleichen Helden Muth und Eyfer zu der Tugend
Wuchs in des Sohnes Brust; wie aus Aurorens Schein
Man sicher schliessen kan was für ein Tag wird seyn
So ließ er auch bald sehn den Morgen seiner Jugend.
Sein ausgeklärter Sinn stieg auf Parnassus Höh
Und saugte Bienen gleich der Musen süssen Klee.
Es prüffte seinen Fleiß der treuen Lehrer Stimme;
Gleich wie ein hurtig Pferd so bald man es sticht an
Laufft schnell als Pfeil und Wind auf seiner Rennebahn.
Sie sahen was in ihm für edler Zunder glimme.
Und weil die Pallas wird geharnischt fürgestellt
Hat er der Ritter-Schweiß dem Bücher-Fleiß gesellt.
Denn gieng er in die Welt wie Adler in die Sonne
Es schien ihm dieses Rund wie Alexandern klein.
Er wolte bald bey Ost und bald bey Norden seyn
Denn schwam er auf der Maaß beschiffte die Garonne
Jhm war so wol der Po als auch der Belth bekandt
Nannt jeden frembden Ort sein ander Vaterland.
Er hat den schwartzen Mohr den weisen Scyth gesehen
Der Könige Paläst und Höfe wol betracht:
Zu Gnad und Hulden sich bey Fürsten angebracht:
Und wolte gleich das Glück den Vorsatz offt verdrähen
So prüfft er in Gedult den Wechselgang der Zeit
Der heute Wermuth reicht und morgen Zucker streut.
Ulysses gab ihm Witz und Cäsar zeigt ihm Thaten
Camillus seine Treu und Scipio den Muth:
Der Cato den Bestand besigelt durch sein Blut
Ein friedlicher August wie glimpflich sey zu rathen.
Er kam wie Jason heim der Tugend güldnes Fließ
War Wissenschafft und Witz so häuffig sich erwieß.