Weh-müthige Gedancken eines betrübten Freundes bey dem Frühzeitigen Hintritt des...

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

So wilst du nun geliebter Dieskau scheiden?

Vergnüget dich auf dieser Welt nichts mehr?

Ach du betrübst der theuren Eltern Freuden

Und kränckest auch die treuen Freunde sehr.

Denn wird dein Hertz dein redlich Hertze brechen

So wissen wir das Leid nicht auszusprechen.

Gedencke doch der angenehmen Stunden

Womit wir uns in Unschuld vor geletzt

Wie sehr dadurch sich Brust und Brust verbunden

Wie du diß Band selbst ewig hast geschätzt.

Solls nun der Tod durch deinen Tod zerreissen

So magst du mich auch mit erblassen heissen.

Die Redlichkeit hat mich bey dir gefangen.

Die Liebe zieht mein Hertze noch an dich.

Mehr Artigkeit kan nicht mein Geist verlangen.

Dein gantzes Thun hält Tugenden in sich.

So bleibe doch entfliehe nicht der Erden

Wo wenige wie du gefunden werden.

Erblassen schon die Rosen deiner Jugend?

Der Anblick ist vor mich zu jämmerlich.

Mein Hertze schaut auf deine Freundschaffts Tugend

Und bittet sehr mein Freund verweile dich

Verziehe noch daß ich in diesem Leben

Dir etwas mag vor deine Liebe geben.

Du aber sprichst wie wohl mit schwacher Zungen:

Was ist mein Freund auf dieser eitlen Welt?

Der Sieg ist mir durch Gottes Krafft gelungen:

Die Seele hat mir schon den Sarg bestellt

Und wünschet dir wird sie den Himmel sehen

Zu guter Nacht noch tausend Wohlergehen.

Drauf schlägest du die treuen Augen nieder

Die Geister sind nicht wenig schwach und matt.

Es sterben schon die annoch jungen Glieder

Dein edles Hertz ist selbst des Lebens satt.

Ich höre dich in heisser Andacht beten

Denn kömmt der Tod der blasse Tod getreten.

Geliebter Freund dieweil dann deine Seele

Des Himmels Hand bereits befohlen ist

Du aber noch in deines Cörpers Höhle

Dem Augenblick bey deinem Leben bist

So höre noch die wahren Worte sprechen

Die mir das Hertz wie dir die Augen brechen:

Ich dancke dir vor deine Treu und Liebe.

Der Jammer spricht nicht eine Sylbe mehr.

Ich eile fort vergib doch meinem Triebe.

Dein Seufzen kränckt mich Wehrter allzusehr!

Zu guter Nacht du hast nun schon vollendet

Und deinen Geist den Sternen zu gesendet.

So muß ein Freund vom andern sich entfernen

Und in der Welt ein bittres Scheiden seyn!

So muß ein Freund vom andern sterben lernen

Ach dein Gebet drung in den Himmel ein.

Ich seh' auch schon im Geist die Engel kommen

Die haben dich nunmehr zu sich genommen.

Stimmt also an die schönsten Sterbe-Lieder

Und bringet nun den Seeligsten zur Ruh.

Werfft Erd und Staub auf seine jungen Glieder

Und deckt das Grab mit lauter Rosen zu.

Laßt um die Grufft die Menge Cronen hangen:

Denn also muß die Treu und Unschuld prangen.

Sie Theureste die sich hierüber kräncken

Die bitterlich den Tod mit mir beweint

Ich weiß wenn sie die Seeligkeit bedencken

Die sich nunmehr mit Ihm erwünscht vereint

So legen sie den herben Kummer nieder:

Wir sprechen Ihn im Himmel sämtlich wieder.