Wehmüthiges leid bey dem grabe seiner schwester Frau Maria Mag- dalena Schultzin...
Jhr die ihr viel verdruß ja viel gefahr und wunden
Auff langen reisen euch zu wege habt gebracht
Sagt ob ihr iemahls wohl so schweren schmertz empfunden
Dergleichen neulich mir ein kurtzer weg gemacht?
Ich hatte mir den Rhein zu sehen vorgenommen
Der einst mein thränen-saltz hat in die see geführt
Und wolte noch zuvor nach unserm Torgau kommen
Allwo mein fuß zuerst hat diese welt berührt;
Hier solte meine brust sich mit der schwester letzen
Die von geschwistern mir GOTT gantz allein gegönnt
Hier wolt ich mich mit ihr und ihrem mann ergötzen
Den meine vater-stadt bey vielen würden kennt.
Und freylich ward ich dort mit freudigkeit empfangen.
Die schwester wie sie sonst bey ieden freundlich war
Empfieng uns allerseits mit sehnlichem verlangen
Man bot uns alle treu und alle dienste dar.
Doch als die nacht erschien (o nacht voll angst und schrecken)
O nacht an die ich nicht ohn thränen dencken kan!)
Gieng meine schwester hin mein lager mir zu decken
Und macht’ ihr leider! selbst zur letzten ruh die bahn.
Denn als sie von der höh zurücke sich gewendet
Bließ ihr ein starcker wind das licht in händen aus.
Durch diesen sturm ward auch ihr lebens-licht geendet:
Es brachte sie ein fall ins finstre todten-hauß.
Der abend-stern der sie noch gantz gesund gesehen
Erblickte sie bereits am morgen auff der baar.
Und wenn mein geist bedenckt wie damals mir geschehen
So starret mir das hertz so zittert haupt und haar.
Es traf nur leider ein was zeichen fall und heulen
Und manche weheklag zuvor hat angedeut
Ja was sie selber offt zur nachricht wolt ertheilen
Wenn sie den nahen tod ihr mehrmahls prophezeyt.
Ach schwester liebstes hertz! ach daß ich dich soll missen
Die du mir auff der welt so manche freud erweckt
Ach daß ich dich itzt soll mit sand bedecket wissen
Da vormals dich und mich ein mutter-hertz bedeckt!
Was aber will ich thun? ich muß mich damit trösten
Daß du dich schon vorlängst zum sterben hast geschickt
Und daß du zu der zahl und menge der erlösten
Bist ohne langen schmertz mit seel und geist gerückt.
Der Höchste welcher dich hat ie und ie geliebet
Zog dich so schnell zu sich aus lauter gütigkeit.
Drum alle die ihr euch umb ihren fall betrübet
Schaut diese grab-schrifft an die ihren ruhm bereit:
Hier leser hat der tod ein frommes weib gerühret
Die in den himmel stieg als sie zur erden fiel.
Denn wer den lebens-lauff in stetem glauben führet
Erlangt im fallen auch das vorgesteckte ziel.