Wehmüthiges leid bey dem grabe seiner schwester Frau Maria Mag- dalena Schultzin...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Jhr die ihr viel verdruß ja viel gefahr und wunden

Auff langen reisen euch zu wege habt gebracht

Sagt ob ihr iemahls wohl so schweren schmertz empfunden

Dergleichen neulich mir ein kurtzer weg gemacht?

Ich hatte mir den Rhein zu sehen vorgenommen

Der einst mein thränen-saltz hat in die see geführt

Und wolte noch zuvor nach unserm Torgau kommen

Allwo mein fuß zuerst hat diese welt berührt;

Hier solte meine brust sich mit der schwester letzen

Die von geschwistern mir GOTT gantz allein gegönnt

Hier wolt ich mich mit ihr und ihrem mann ergötzen

Den meine vater-stadt bey vielen würden kennt.

Und freylich ward ich dort mit freudigkeit empfangen.

Die schwester wie sie sonst bey ieden freundlich war

Empfieng uns allerseits mit sehnlichem verlangen

Man bot uns alle treu und alle dienste dar.

Doch als die nacht erschien (o nacht voll angst und schrecken)

O nacht an die ich nicht ohn thränen dencken kan!)

Gieng meine schwester hin mein lager mir zu decken

Und macht’ ihr leider! selbst zur letzten ruh die bahn.

Denn als sie von der höh zurücke sich gewendet

Bließ ihr ein starcker wind das licht in händen aus.

Durch diesen sturm ward auch ihr lebens-licht geendet:

Es brachte sie ein fall ins finstre todten-hauß.

Der abend-stern der sie noch gantz gesund gesehen

Erblickte sie bereits am morgen auff der baar.

Und wenn mein geist bedenckt wie damals mir geschehen

So starret mir das hertz so zittert haupt und haar.

Es traf nur leider ein was zeichen fall und heulen

Und manche weheklag zuvor hat angedeut

Ja was sie selber offt zur nachricht wolt ertheilen

Wenn sie den nahen tod ihr mehrmahls prophezeyt.

Ach schwester liebstes hertz! ach daß ich dich soll missen

Die du mir auff der welt so manche freud erweckt

Ach daß ich dich itzt soll mit sand bedecket wissen

Da vormals dich und mich ein mutter-hertz bedeckt!

Was aber will ich thun? ich muß mich damit trösten

Daß du dich schon vorlängst zum sterben hast geschickt

Und daß du zu der zahl und menge der erlösten

Bist ohne langen schmertz mit seel und geist gerückt.

Der Höchste welcher dich hat ie und ie geliebet

Zog dich so schnell zu sich aus lauter gütigkeit.

Drum alle die ihr euch umb ihren fall betrübet

Schaut diese grab-schrifft an die ihren ruhm bereit:

Hier leser hat der tod ein frommes weib gerühret

Die in den himmel stieg als sie zur erden fiel.

Denn wer den lebens-lauff in stetem glauben führet

Erlangt im fallen auch das vorgesteckte ziel.