[Weil nun der süsse Schlaff]

By Andreas Gryphius

Written 1640-01-01 - 1640-01-01

Weil nun der süsse Schlaff die müden Augen schleust

Und die beschwärzte Nacht gleich einem Strom herfleust

Weil dicke Finsternüß die frembden Träum einführet

Und der gebundne Leib nichts fühlt nichts kennt nichts rühret.

So ko i O süsse Ruh'! erquicke meine Seel!

Die nur durch dich nach dir in dieser Marter-Höhl

Mit steten Seuffzen schmacht ko i wann mein Tag vergangen

Und ich die Ewigkeit geruffen anzufangen.

Leb' in mir wann der Tod das kalte Fleisch bestrickt

Und mir die lange Nacht beyd' Augen zugedrückt.

Gib daß ich sicher lieg' und nichts mich mög erschrecken

Wenn an dem grossen Tag du alle wirst erwecken.

Denn laß mich dich o Sonn o Licht das niemand schaut

Der noch das Elend hier im Thal der Thränen baut

Mit immer neuer Freud' in diesen Gliedern sehen;

Laß unter deinem Fuß was hier dich pflegt zu schmähen

Zutretten und zuknickt mein frölich Lustbild seyn

Und führe mich ins Hauß der seel'gen Ruhstätt ein.