Wein und BardenFußnoten

By Michael Denis

Written 1764-01-01 - 1764-01-01

Genug, genug, schon lange genug erging

Von Tokays Höhen, edelster Traubensohn!

Dein Goldfluß und von Tarzals Höhen,

Greisenverjüng'ter, Herzenerfreuer!

Des Herbstes Ersterzeugter und Stolz der Theiß!

Du warst genug, schon lange genug der Fürst,

Bei vaterländischen Gelagen,

Unter den übrigen Traubensöhnen.

Nun sieht den Irrthum langer Jahrhunderte

Der weise Gaumen eckeler Großen ein,

Erklärt dich angemaßter Herrschaft

Ueber die Rebengetränke schuldig,

Und wittert nach den Trauben der Ufer hin,

Wo Gothen einst geboten, verarteten,

Von Süden hergeschiffter, schwarzer

Fremdlinge leidende Knechte wurden.

Der Schimpf ist groß. Doch tröste dich Heldentrank!

Du hast Gefährten. Siehe, den höflichen,

Geschminkten, kalten Auslandliedern

Hangen mit hastigem Ohr' entgegen

Thuiskons Zwitterenkel, verachten ihn,

Verstehn ihn nicht den heimischen Herzgesang,

Den kühnen heißen vollgedrängten

Thatenverewiger, Seelenheber.

Ist er darum nun weniger, was er ist?

O nein! Von seinem blaulichen Wege sieht,

Voll seines Werthes, dieser, Adler

Ruhig auf quäkende Sümpfe nieder.

So du auch, Sohn der Traube! Wann Friederichs

Und Herrmanns Barde fallen, dann wird der Ruhm,

Der jetzt auf Tarzal und Tokay

Zeitiget, andre Gebirge gölden.