Weltenritt

By Karl Henckell

Written 1892-01-01 - 1892-01-01

Ich sattle mir den Schimmel,

Einst Pegasus genannt,

Und reite durch Erde und Himmel,

Die Zügel in sichrer Hand.

Dem alten Dichterpferde

Ist meines nicht mehr gleich,

Sein Huf berührt die Erde,

Seine Nüster des Äthers Reich.

Der Schenkel stampft die Scholle,

Vom Hals trieft Wolkenschaum,

O traurig wundervolle

Jagd durch den Weltenraum!

Planeten seh' ich kreisen,

Gestirne blendend lohn –

Ich höre jeden leisen

Menschlichen Klageton.

In unmeßbare Weiten

Mein suchend Auge irrt –

Jede Träne fühl' ich gleiten,

Die hier geweinet wird.

Erschauernd faßt die Seele

Des großen Einklangs Bild –

Im Schmerz erstickt die Kehle:

O wundes Menschenwild!

Fand nun die fremde Stätte

Ja doch an keinem Ort,

Die mir verkündet hätte

Das letzte Lebenswort.

Die Jagdlust ist vergangen,

Todmüde wacht mein Sinn –

Ich lasse die Zügel hangen

Und trabe langsam hin.