Welträtsel

By Paul Heyse

Written 1872-01-01 - 1872-01-01

Manchmal, wenn jäh dein eigen Angesicht

Aus klarer Spiegelfläche zu dir spricht,

Dünkt dir's, du sähst, was dir so wohlbekannt,

In dunkle Hieroglyphen umgewandt.

Du fragst dich, wem dies fremde Bildnis gleicht,

Bis vor dir selbst ein Graun dich überschleicht

Und das Geheimnis deiner Einzigkeit

Mit deinem dumpfen Frieden dich entzweit.

Und wieder: siehst du einen Baum, ein Laub,

Ein Sandkorn, einen bunten Sonnenstaub,

Ergreift dich's plötzlich wie ein brennend Weh,

Daß rings das All dich ewig fremd umsteh',

Daß niemals du der Lösung näher bist

Der alten Frage: was das ist, was ist,

Und vor des Daseins rätselvollem Schmerz

Krampft sich zusammen dein verschüchtert Herz.