[Wie doch verfielst du]

By Georg Friedrich Daumer

Written 1823-01-01 - 1823-01-01

Wie doch verfielst du,

Du guter Knabe,

Dem alle Mädchen

So wohlgewogen,

Der ihnen allen –

So reich an Habe,

So vorgezogen

Sie immer seien –

Das Herz entrückt,

Wie doch verfielst du

Zu deinem Schaden

Auf mich, die Arme,

Die tief zu Boden

Sich unter'm Drucke

Der Schmach, der Sorge,

Des Kummers bückt?

Du siehst ja doch,

Herzlieber Knabe,

Daß ich nicht habe,

Was Andre haben,

Daß ich nicht prange,

Wie Andre prangen,

Und Freude blitze,

Mit schönem Schmucke

Den Leib geschmückt.

Du siehst ja doch:

Es fehlt mir Alles.

Den Fuß zu bergen,

Den oft verletzten,

Gebrechen Schuhe,

Gebrechen Strümpfe;

Bis an die Kniee

Muß ich in Sümpfe,

Muß ohne Ruhe

Die Glieder regen,

Von Qual und Mühe,

Von Noth und Plage

All meine Tage

Die Brust gedrückt.