Wie lange noch?

By Max Dauthendey

Written 1892-01-01 - 1892-01-01

O Krieg, wie lange willst du noch

Des Tages wüster König sein?

Die Sonne ward vor dir längst klein,

Der Himmel niedrig, der einst hoch.

O Krieg, nährt dich doch nicht genug

Das reiche arme Menschenblut,

Der Männer eisigblinder Mut,

Der Toten ungezählter Zug?

O Krieg, wie lange lauschst du schon

Dem Schrei der Wunden, die du schlägst?

Die Stirn ist schlaflos, die du trägst,

Und nur aus Trümmern ragt dein Tun.

Krieg, deiner Krone roter Schein

Bringt vielen ein unsterblich Glück!

Auf Helden siehst du starr zurück,

Und Namen hallt dein Herz aus Stein.

O Krieg, dein wahnhaft Heldentum

Läßt wenig Lebenslicht entstehn,

Die Völker blutleer untergehn,

Die sich berauscht an deinem Ruhm.