[Wie lange soll mich kräncken]

By Hans Aßmann von Abschatz

Written 1672-01-01 - 1672-01-01

Wie lange soll mich kräncken

Ein traurig Angedencken

Der vor-gepflognen Lust

Nachdem ich müssen scheiden

Mit Widerwillen meiden

Lisillens zarte Brust!

Die Liebe will mir sagen

Sie soll im Hertzen tragen

Die Hoffnung mich zu sehn

Das meine soll ingleichen

Nicht von der Meynung weichen

Es werde bald geschehn.

Sie saget: Wenn dem Hertzen

Die überstandnen Schmertzen

Beliebt und süsse seyn

So soll vielmehr die Freude

Die ich voritzo meide

Mit Lust mir kommen ein.

Schweig Feindin voller Tücke!

Wie sehr mir mein Gelücke

Vorhin gefallen wohl

So sehr kränckt izt die Sinnen

Was sie nicht haben künnen

Und ich entbehren soll.

Kein Hoffen kein Ergötzen

Kan den Verlust ersetzen

Den ich gehabt an ihr:

Es wachsen meine Wunden

Wenn mir die süssen Stunden

Im Hertzen kommen für.

Ich weiß was mir genommen

Obs möchte wiederkommen

Weiß weder sie noch ich.

Die Mittel sind zu linde

Der Pein die ich empfinde

Kein Arzt weiß Rath für mich.

Ach könt ich nur versencken

Mein taurigs Angedencken

Der vorgepflognen Lust!

Gedächt ich nicht ans Scheiden

So wäre mir kein Leyden

Und keine Noth bewust.