Wie sein vogel starb mit dem er vor diesem gerne speisen wolte wie selbi- ger ei...

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Das hab ich wohl gedacht dein allzu gut geschicke

Mein zeißgen dräute dir den jähen untergang.

Wer sich nicht mäßiget bey gar zu grossen glücke

Gewißlich er genießt des wechsels gar nicht lang.

Da hast du nun die frucht der ungewehnten speisen

Von denen ich gesagt sie dienen vögeln nicht.

Du kanst mir andere auf dein exempel weisen

Wann sie an diesen tisch zu gehn der haber sticht.

Was nützt dir nun der neid der mich zurück getrieben

Als ich dein gast zu seyn so sehnlich von dir bat.

Der speisen ist ja noch viel vorrath überblieben

Da dich nunmehr der todt schon in den klauen hat.

Hätt ich dirs vorgemacht und du mir zugesehen

Wie man von lippen trinckt und aus dem munde speißt

So wäre es vielleicht noch nicht umb dich geschehen.

Und deine seele zu dem grabe fortgereißt.

Ich hätte dich gelehrt wie die Rubinen höle

Zwar muß ein sammel platz der lebensgeister seyn;

Doch so daß wiederum die satt geküste seele

Sich von den lippen dringt in alle glieder ein.

Da hastu armes thier der wiederkehr vergessen

Und wie dein leben an des schnabels spitze hieng

Da hastu zugeschnapt noch mehr und mehr zu essen

Biß durch das offne maul die seele von dir gieng.

Jtzt solt ich billiger mich freuen als betrüben

(ein neydisches gemüth ist keiner thränen wehrt.)

Doch muß ich dich mein thier des todtes wegen lieben

Deß ich mit mehrer lust als du gar offt begehrt.

Doch mit dem unterscheid daß ichs so grob nicht machte

Und gar die seele aus den lippen von mir sties.

Nein sondern wann das glück am freundlichsten mir lachte

Und es am besten schmeckt die speise fahreu ließ.

Des zuckers gar zu viel verschleimet unß den magen

Alkermes wil gesund doch nicht gemißbraucht seyn.

Gehäuffter Mithridat kan uns zu grabe tragen

Und Ambra stets gebraucht nimmt haupt und sinnen ein.

Ey! Hättstu dies bedacht! doch magstu seyn gestorben

Von thorheit oder auch von grossem überfluß;

So hastu doch das lob von aller welt erworben

Daß man dich iederzeit glückselig preisen muß.

Ich will dich und dein glück auch unauffhörlich lieben

Aus hoffnung daß du mich im testament bedacht.

Und etwas süsses mir von deinem tisch verschrieben

Hab ich die grabeschrifft auff deinen stein gemacht.

Wer dächte daß ein mund durch küsse tödten solte?

Doch zeigts mein vogel an der hier im grabe ruht.

Er fand den todt allda wo ich recht leben wolte

Doch weiß ich nur wies mir nicht wies den vögeln thut.