Wie sich die meisten Menschen GOtt vorstellen.
Die Einfalt bildet sich ein Göttlich We-
sen ein,
Und muß doch in der That ein blos-
ser Mensche sein:
Gott ist der höchste Geist; doch an dergleichen Lehren,
Pflegt sich nicht ihr Begrif, der anders denkt, zu
kehren.
Wie sieht die größte Zahl von Sterblichen
Auf seinen hohen Thron? Als einen alten Mann
Mit einen grauen Bart, wie auf dem Kirchenbildern,
Die Mahler sichtbarlich den höchsten Vater schildern.
Der gros gemahlte Bart mit Reif und Schnee be-
streut,
Macht ihnen den Begrif der Ehrerbietigkeit,
Die dieser alte
Von jederman verdient, der in sein Reich gehöret.
Des Russen blinder Wahn, der hievon Zeugnis
giebt,
Und einen grauen Bart, mehr als das Leben liebt
Wird darum nimmermehr die langen Bärte missen,
Weil ihre Aehnlichkeit mit
Und woher komt es woll, daß jetzt die kluge Welt,
Das höchste Wesen noch vor einen Körper hält,
Der in der Ewigkeit im güldnen Schimmer wohnet,
Und wie ein Welt Monarch im Himmels Schlosse
thronet?
Daher weil ihr Verstand sich zu der Gottheit schwingt,
Und mit verwegnen Trieb in ihre Tiefen dringt;
Und weil sie einen Geist nicht recht begreiffen können,
So werden sie ihn nie von einen Körper trennen.
Je mehr der arme Mensch an
Das man ergründen will, je mehr wird man gelenkt
Auf das, was körperlich, da wir das sehen wollen,
Was wir in dieser Zeit, mit Ehrfurcht glauben sollen.
Doch dieser grobe Sinn wird niemahls abgelegt,
Bis daß man, was wir sein, und
erwegt:
Denn werden wir ersehn, daß unsers Geistes Denken,
Was unbegreiflich ist, wird nimmermehr umschränken.
Genug für unsern Stand auf dieser Unterwelt,
Wenn man das höchste
Als einen
Uns nicht mehr sehen läst, als unvollkomne Spuren.
Genug wenn unser Herz ein höchstes Wesen nennt
Daß hie kein Sterblicher, so wie es ist erkennt;
Und diese Warheit gläubt der Eigenschaften Grössen
Jm grossen Jehovah, kön kein Verstand ausmessen:
Genug wenn seine Macht, die Weisheit, Gütigkeit,
Sich allemahl uns zeigt mit der Unentlichkeit;
Wenn Unvollkommenheit von ihn wird weggeräumet,
Und daß man weiter nichts von seinen Wesen träumet.
Denn wer noch weiter geht, als dies gestekte Ziel,
Der trift die Warheit nicht und macht ein Sinnen-
spiel:
Wie jede Einfalt thut, die solche Eigenschaften,
Sich so in
haften.
Man sieht es klärlich ja, wie unser Temprament,
So bilden wir uns auch den man den Höchsten
nennt;
So wie wir sein gesinnt: so wird das ewge Wesen
Nach unsern Ebenbild, nicht wie er ist, erlesen.
Und wohnt in unsern Geist die edle Gütigkeit:
So ist die Güte auch, die Hauptvollkommenheit
Die
dert,
Zur Härtigkeit geneigt: So wird
schildert,
Als wie ein harter Mann der nach der Strenge geht,
Und allda erndten will, wo er nichts ausgesät.
Ist unser Herz geneigt fast alle zu verdammen,
So sehen wir auch
Ist etwan der Regent der über uns befiehlt,
Ein HErr der stets zur Lust mit Unterthanen spielt:
So denket man von
Bei allen unsern Thun, bei unsrer Torheit lachen.
Ist er ein strenger Held der eisern Scepter trägt,
Und jeden wenn er will mit Angst zu Boden schlägt:
So denkt die Einfalt auch mit Herz beklomnen Zagen,
Wer darf sich zu dem HErrn des breiten Himmels
wagen?
Wer nur die Menschen kennt, der sieht die War-
heit ein,
Daß auch ihr
Und daß das
Wie eines Königs Bild in ihre Augen strahlet.