Wie sie die schwanen auf dem wasser an sich lockte.

By Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Als Venus neulich war zum himmel aufgeflogen

Weil frost und strenge lufft sich hier auf erden faud

Und sich in schneller eil der kalten welt entzogen

Doch ehstens hier zu seyn in frischer hoffnung stand;

So ließ sie noch zuvor die schwanen für sich kommen

Die sonst der Venus volck und liebes-boten seyn

Und die sie anfangs bald zu diensten angenommen

Als diese göttin erst sich fand auf erden ein.

Sie sprach: Mein werthes volck ihr meine hof-trabanten

Die ihr mir jederzeit bisher getreu gewest

Und als der buhlerey geheimste abgesandten

Euch fleißig eingestellt bey meinem opfer-fest

Jhr zeugen meiner lust ich muß itzt von euch scheiden

Die rauhe winters-zeit verjagt mich aus der welt

Ich muß ob wolt ich nicht euch eine zeitlang meiden

Und dort im himmel seyn den göttern beygesellt.

Doch hof ich auch zugleich in kurtzem euch zu schauen

Zieht ihr indessen hin gebrauchet euch der zeit

Lebt wohl in süsser lust und lieblichem vertrauen

Biß meine gegenwart euch wiederum erfreut.

Hiemit so hat sie sich bald in die lufft geschwungen

Und ließ dies weiße volck bestürtzt und traurig stehn

Der schmertz kam hauffen-weiß auf sie herzugedrungen

Es schien sie solten fast in noth und angst vergehn.

Sie zitterten vor furcht und bebeten vor schrecken

Sie schwommen in der irr gantz einsam und betrübt.

Und hat die bange zeit so alles wil beflecken

Die gröste grausamkeit an ihnen ausgeübt.

Doch gestern weiß ich nicht wies das verhängnüs schickte

Diß aber weis ich wohl es kam von ohngefehr

Daß dieses schwanen-volck Melinde dich erblickte

Als es noch voller schmertz so irrte hin und her.

Wie häufig kamen sie nicht auf dich zugedrungen

Der meinung: Venus sey nun wieder auf der welt

Sie habe wiederum sich himmelab geschwungen

Und sich in deine zierd und schönste pracht verstellt.

Sie sahen auch das feur in deinen augen blitzen

Das Venus nur allein in ihren sonnen trägt

Und das durch einen blick kan seel und geist erhitzen

Wann dieser wunderzeug die heissen kräffte regt.

Den purpur den sie sonst auff Venus mund gefunden

Der zarten wangen pracht und süße lieblichkeit

Diß alles sahen sie bey dir noch unverschwunden

Und in dem höchsten glantz vollkommen ausgestreut.

Was wunder wann sie denn vor Venus dich erkanten

Und deinen bloßen winck in stiller furcht verehrt

Daß sie der Venus volck und treuste abgesandten

Zu dir als herrscherin sich alsobald gekehrt?

Melinde glaube dem der dich noch nie belogen

Es hat dich die natur recht himmlisch ausgeziert

Kein wunder wann du nun die schwanen hast betrogen

Ich selber bin von dir auch in das garn geführt.

Drum gönne daß ich dich darf meine Venus nennen

Und weil du schon mein hertz hast einmal angezündt

So laß mich ferner noch in diesem feuer brennen

Das seine nahrung blos in deinen augen findt.