Wie sie die schwanen auf dem wasser an sich lockte.
Als Venus neulich war zum himmel aufgeflogen
Weil frost und strenge lufft sich hier auf erden faud
Und sich in schneller eil der kalten welt entzogen
Doch ehstens hier zu seyn in frischer hoffnung stand;
So ließ sie noch zuvor die schwanen für sich kommen
Die sonst der Venus volck und liebes-boten seyn
Und die sie anfangs bald zu diensten angenommen
Als diese göttin erst sich fand auf erden ein.
Sie sprach: Mein werthes volck ihr meine hof-trabanten
Die ihr mir jederzeit bisher getreu gewest
Und als der buhlerey geheimste abgesandten
Euch fleißig eingestellt bey meinem opfer-fest
Jhr zeugen meiner lust ich muß itzt von euch scheiden
Die rauhe winters-zeit verjagt mich aus der welt
Ich muß ob wolt ich nicht euch eine zeitlang meiden
Und dort im himmel seyn den göttern beygesellt.
Doch hof ich auch zugleich in kurtzem euch zu schauen
Zieht ihr indessen hin gebrauchet euch der zeit
Lebt wohl in süsser lust und lieblichem vertrauen
Biß meine gegenwart euch wiederum erfreut.
Hiemit so hat sie sich bald in die lufft geschwungen
Und ließ dies weiße volck bestürtzt und traurig stehn
Der schmertz kam hauffen-weiß auf sie herzugedrungen
Es schien sie solten fast in noth und angst vergehn.
Sie zitterten vor furcht und bebeten vor schrecken
Sie schwommen in der irr gantz einsam und betrübt.
Und hat die bange zeit so alles wil beflecken
Die gröste grausamkeit an ihnen ausgeübt.
Doch gestern weiß ich nicht wies das verhängnüs schickte
Diß aber weis ich wohl es kam von ohngefehr
Daß dieses schwanen-volck Melinde dich erblickte
Als es noch voller schmertz so irrte hin und her.
Wie häufig kamen sie nicht auf dich zugedrungen
Der meinung: Venus sey nun wieder auf der welt
Sie habe wiederum sich himmelab geschwungen
Und sich in deine zierd und schönste pracht verstellt.
Sie sahen auch das feur in deinen augen blitzen
Das Venus nur allein in ihren sonnen trägt
Und das durch einen blick kan seel und geist erhitzen
Wann dieser wunderzeug die heissen kräffte regt.
Den purpur den sie sonst auff Venus mund gefunden
Der zarten wangen pracht und süße lieblichkeit
Diß alles sahen sie bey dir noch unverschwunden
Und in dem höchsten glantz vollkommen ausgestreut.
Was wunder wann sie denn vor Venus dich erkanten
Und deinen bloßen winck in stiller furcht verehrt
Daß sie der Venus volck und treuste abgesandten
Zu dir als herrscherin sich alsobald gekehrt?
Melinde glaube dem der dich noch nie belogen
Es hat dich die natur recht himmlisch ausgeziert
Kein wunder wann du nun die schwanen hast betrogen
Ich selber bin von dir auch in das garn geführt.
Drum gönne daß ich dich darf meine Venus nennen
Und weil du schon mein hertz hast einmal angezündt
So laß mich ferner noch in diesem feuer brennen
Das seine nahrung blos in deinen augen findt.