Wieder die Verläumdungen aus dem Kempis
Written 1697-01-01 - 1697-01-01
Verachtet man dein Thun; wird einer übel sprechen
So laß dir dieses nicht der Seelen Ruhe brechen.
Gedencke nur ich bin der schlimste dieser Welt
Gut wenn dein Hertz dich selbst vor einen Sünder hält.
Wirds um die Demuht wohl gut ums Gewißen stehen
So gehn die Worte fehl die in die Lüffte gehen.
Bey dem ist Weißheit groß der bey Verdruße schweigt
Und von der Welt Gericht zu Gottes Richt-Stuhl steigt.
In Menschen Reden soll man keinen Frieden suchen.
Sie sprechen noch so wohl sie mögen dich verfluchen
Was schadet dir es wohl? verwandelt dich ihr Spott?
Wo ist doch Fried und Ruhm? bey keinem als bey Gott.
Die nicht begierig sind nach Menschen-Gunst zu leben
Und um der Mißgunst auch in keinen Furchten schweben
Die krönt des Friedens-Palm. Gewiß viel größre Lust
Wird ihren Seelen so von oben her bewust.
Doch wer die Sehnsucht läßt sich in dem Hertzen wallen
Der Welt ihr Freund zu seyn und wer ihr mißzufallen
In welchen Sorgen steht; beschwerr sein Hertze sehr
Und ist als wie ein Schiff im Sturm auf weiten Meer.