Wieder die Verläumdungen aus dem Kempis

By Christian Friedrich Hunold

Written 1697-01-01 - 1697-01-01

Verachtet man dein Thun; wird einer übel sprechen

So laß dir dieses nicht der Seelen Ruhe brechen.

Gedencke nur ich bin der schlimste dieser Welt

Gut wenn dein Hertz dich selbst vor einen Sünder hält.

Wirds um die Demuht wohl gut ums Gewißen stehen

So gehn die Worte fehl die in die Lüffte gehen.

Bey dem ist Weißheit groß der bey Verdruße schweigt

Und von der Welt Gericht zu Gottes Richt-Stuhl steigt.

In Menschen Reden soll man keinen Frieden suchen.

Sie sprechen noch so wohl sie mögen dich verfluchen

Was schadet dir es wohl? verwandelt dich ihr Spott?

Wo ist doch Fried und Ruhm? bey keinem als bey Gott.

Die nicht begierig sind nach Menschen-Gunst zu leben

Und um der Mißgunst auch in keinen Furchten schweben

Die krönt des Friedens-Palm. Gewiß viel größre Lust

Wird ihren Seelen so von oben her bewust.

Doch wer die Sehnsucht läßt sich in dem Hertzen wallen

Der Welt ihr Freund zu seyn und wer ihr mißzufallen

In welchen Sorgen steht; beschwerr sein Hertze sehr

Und ist als wie ein Schiff im Sturm auf weiten Meer.