Winter-Gedancken.
Mein GOtt! das Feuer wärmet mich
Und macht nicht nur, daß ich nicht friere;
Daß ich im Frost auch Anmuth spühre,
Dafür erheb’ und preis’ ich dich!
Ich fühl’ ietzt einen Trieb in mir,
Ein Winter-Opfer dir zu bringen,
Und deine Wunder zu besingen,
Die ich, auch selbst im Frost, verspühr.
Die düstern Tag’ erhellt der Schnee,
Der jetzt die dunckle Welt bedecket,
Und mehr vergnügt und nützt, als schrecket;
So daß ich ihn mit Anmuth seh.
Nicht ohne Regung unsrer Brust
Erblickt man weisse weite Felder.
Die Wipfel der beschneiten Wälder
Erregen uns besondre Lust.
Indem die schwartze Dunckelheit
Der Aeste, welche nicht beklebet,
Den weissen Schnee noch mehr erhebet,
Jm Gegensatz und Unterscheid.
Desgleichen wircken hier und dort
Verstreut- und halb-beschneite Reiser.
Die Gipfel der bemoosten Häuser
Sind gleichfals schön an manchem Ort.
So lassen auch, nicht minder schön,
Die regel-rechten Ziegel-Dächer
Jm Schnee die nett-gevierten Fächer
Viel deutlicher, als sonsten, sehn.
Durchs Wassers Blau, wenn noch kein Eis
Die Fluht mit Schollen überbrücket,
Wird der gefallne Schnee geschmücket,
Es macht sein Weiß noch einst so weiß.
Zumahl wenn in dem Wieder-Schein
Des Ufers weiß beschneite Höhen,
Auf dunckler Fläche hell zu sehen
Und weiß und blau gemischet seyn.
Seht wie uns, selbst der Dorn vergnügt,
Wenn, nach der weiß-beschneiten Speise,
Durch ihn, zusammt der bunten Meise,
Der Zäune kleiner König fliegt.
Des welcken Schilffes gelber Schein
Wird auch nicht ohne Lust verspühret;
Es unterbricht es schmückt, und zieret
Das weisse, das sonst allgemein.
Jmgleichen theilt und unterbricht
Mit seiner Striche duncklen Länge,
Der tieffen Wasser-Graben Menge
Vom weissen Schnee das weisse Licht.
Wenn hier ein Gräschen, dort ein Straus
Aus Schnee, worin es meist verstecket,
Ein grünes Spitzgen eintzeln strecket,
Sieht es nicht minder lieblich aus.
Jmgleichen, wenn das glatte Grün
Des Buxbaums, der im Garten gläntzet
Und das gevierte Land begräntzet,
Durch Schnee recht übersilbert schien.
Auch bricht der Gärten Winter-Flor
Des braunen Kohles Purpur-Pflantze,
Mit einem Silber-gleichen Glantze,
Aus Silber-weissem Grund’ hervor.
Und kurtz: man spührt, zur Winters-Zeit,
Zu unsers weisen Schöpfers Preise,
Wie auch, so gar im Schnee und Eise,
Die Welt ein frommes Aug’ erfreut.
Ach sähe denn doch jederman,
Zumahl der, den der Frost nicht drücket,
Die Welt, wie selbst der Frost sie schmücket,
Mit Luft, zu GOttes Ehren an!