Winterlied/ Zu dem ersten Monat deß JennersFußnoten
Written 1632-01-01 - 1632-01-01
Wir leben in der neuen Zeit
die alls mit Schnee bedecket:
es trägt das Feld ein graues Kleid
das Krafft und Safft erstecket.
Frost Kält und Eiß
macht alles weiß
der Regen wird zu Schrollen.
Es ligt zu Feld
die harte Kält;
der Reiff wird gleich der Wollen.
Was bringt ja vielmehr nimmt uns nicht
der Janus weg für Gaben?
Mit dem gezweyten Angesicht
kan er nichts sonders haben.
Doch wird gesucht
der Dörner Frucht:
Die Hiefen gleich Korallen
bringt nun heran
der arme Mann
dem Reichen zu Gefallen.
Obgleich der guldne Sonnen-Strahl
entfernet abgewichen
ist doch der kalten Nächte Zahl
mehlich herbey geschlichen:
Der Wassermann
hebt wieder an
die Täge zu ersetzen
indem sich hat
das Sonnen-Rad
gewendt uns zu ergetzen.
Was bildet diese Winterszeit?
Anfechtung Angst und Leiden.
Doch ist der Hoffnungs-Trost nicht weit
der niemals pflegt zu scheiden.
Es wird der Lentz
auch dieser Grentz
der Schwalben Bottschaft senden.
Die Heroldin
sagt: Wart dorthin
es wird sich alles enden.
Inzwischen traget nur Gedult:
thut Buß in Staub und Aschen.
Wir wollen uns durch Gottes Huld
schneeweiß und reinlich waschen.
Die rohte Sünd
acht sich geschwind
wie zärtlich reine Wollen.
Das Hertz wird neu
durch wahre Reu
die wir ergreiffen sollen.
Wir dancken dir Gott allezeit
der du stets ob uns wachest;
der du die frühe Sommer-Freud
und auch den Winter machest.
Du ruffst dem Schnee
und ruffst dem Klee;
alls muß nach Ordnung gehen:
So hört nicht auf
der Wechsel-Lauff
weil diese Welt wird stehen!