Winterlied/ Zu dem ersten Monat deß JennersFußnoten

By Georg Philipp Harsdörffer

Written 1632-01-01 - 1632-01-01

Wir leben in der neuen Zeit

die alls mit Schnee bedecket:

es trägt das Feld ein graues Kleid

das Krafft und Safft erstecket.

Frost Kält und Eiß

macht alles weiß

der Regen wird zu Schrollen.

Es ligt zu Feld

die harte Kält;

der Reiff wird gleich der Wollen.

Was bringt ja vielmehr nimmt uns nicht

der Janus weg für Gaben?

Mit dem gezweyten Angesicht

kan er nichts sonders haben.

Doch wird gesucht

der Dörner Frucht:

Die Hiefen gleich Korallen

bringt nun heran

der arme Mann

dem Reichen zu Gefallen.

Obgleich der guldne Sonnen-Strahl

entfernet abgewichen

ist doch der kalten Nächte Zahl

mehlich herbey geschlichen:

Der Wassermann

hebt wieder an

die Täge zu ersetzen

indem sich hat

das Sonnen-Rad

gewendt uns zu ergetzen.

Was bildet diese Winterszeit?

Anfechtung Angst und Leiden.

Doch ist der Hoffnungs-Trost nicht weit

der niemals pflegt zu scheiden.

Es wird der Lentz

auch dieser Grentz

der Schwalben Bottschaft senden.

Die Heroldin

sagt: Wart dorthin

es wird sich alles enden.

Inzwischen traget nur Gedult:

thut Buß in Staub und Aschen.

Wir wollen uns durch Gottes Huld

schneeweiß und reinlich waschen.

Die rohte Sünd

acht sich geschwind

wie zärtlich reine Wollen.

Das Hertz wird neu

durch wahre Reu

die wir ergreiffen sollen.

Wir dancken dir Gott allezeit

der du stets ob uns wachest;

der du die frühe Sommer-Freud

und auch den Winter machest.

Du ruffst dem Schnee

und ruffst dem Klee;

alls muß nach Ordnung gehen:

So hört nicht auf

der Wechsel-Lauff

weil diese Welt wird stehen!